Der Go Jet parkte in einem kleinen Tal, in den Bergen, nahe Go City.
„Also, hier ist unser Plan“, sagte Hego. „Wir marschieren durch die Vordertür hinein. Und dann schauen wir mal, was passiert.“
„Wir hätten uns besser vorbereiten sollen“, merkte Mego an.
Shego fragte: „Durch die Vordertür? Sollten wir uns nicht wenigstens irgendwo einschleichen? Durch einen Luftschacht oder meinetwegen auch nur ein Kellerfenster?“
„Nein, nein, nein, das erwartet er doch! Warum aber sollte irgendjemand erwarten, dass seine Angreifer durch die Vordertür kommen?“
Seine Brüder stimmten Hego zu.
„Okay“, seufzte Shego, „es ist eine merkwürdige Logik, aber es ist eine Logik. Könnte klappen.“
„Nein, Schwesterchen“, sagte Hego und hielt seine Hand leicht ausgestreckt vor sich. „Es wird klappen! Zeit, für etwas Go-operation.“
Mego fragte: „Was soll die Hand?“
„Da sollt ihr nacheinander eure Hände drauflegen. Als Teamritual. Wie bei einer Footballmannschaft.“
Die Zwillinge legten ihre Hände zuerst dazu. Dann Mego und darauf nochmal die Zwillinge.
„Lasst den Blödsinn“, zischte Shego, und kaum waren die Klone der Zwillinge verschwunden, legte auch sie ihre Hand dazu.
Hego rief ein langgezogenes: „Goooooooo, Team Gooooooo!“, als er den Handzusammenschluss auflöste, doch abgesehen von den Zwillingen blieben seine Geschwister dabei stumm.
„Was besseres fiel dir nicht ein?“ fragte Mego.
„Ausserdem sollten wir vielleicht etwas leiser sein“, fügte seine Schwester hinzu.
„In Ordnung, du hast Recht. Ab jetzt: Pssst. Aber ich mag „Go Team Go“. Auf zum Haupteingang.“
„Wir schlichen uns also zum Haupteingang um Hegos genialen Plan in die Tat umzusetzen. Es dauerte weniger als eine Minute, bis wir uns in einem gigantischen Vogelkäfig wiederfanden.“
„Nun, das war unerwartet“, seufzte Hego.
Shego versuchte, leider ohne Wirkung, den Gitterstäben in irgendeiner Form Schaden zuzufügen.
„Ich weiss nicht“, sagte sie, „ein Teil von mir hat so etwas in der Art erwartet. Wenn auch nicht ganz so schnell.“
Mego drehte sich zu den Zwillingen.
„Keine Angst, ihr zwei. Ich bin bei euch. Die Anderen auch.“
„Wir haben...“ „...keine Angst.“ „Ist doch ein cooles Abenteuer.“ „Ja, voll das Abenteuer.“
Hego grinste.
„Ich liebe diese Zwei. Selbst in der größten Not, bleiben sie optimistisch.“
„Wie wäre es mit etwas weniger Ich-liebe-dich, dafür aber mehr Ich-will-hier-raus?“ knurrte Shego und rüttelte an den Gitterstäben.
Plötzlich öffnete sich der Boden des Käfigs und Team Go fiel laut schreiend in ein tiefes Loch, welches sie zu einer wild verschlungenen Rutschbahn führte.
Die Rutschpartie endete, ebenso unerwartet, wie sie anfing, in einem tiefschwarzen Raum. Die einzige Lichtquelle kam von einem großen Scheinwerfer, in dessen Schein Team Go landete.
Alles ausserhalb dieses Spots war schwarz.
Shego stand langsam auf und rieb sich ihren schmerzenden Hintern.
„Mal sehen, wie es jetzt weitergeht“, fragte sie in den Raum hinein.
Die Zwillinge sprangen auf und ab und riefen: „Nochmaaaaal!“
Mego streckte seinen Kopf in die Dunkelheit.
Unter all den würgenden Geräuschen, die er dort verursachte, konnte man ein leises „Bitte nicht“ heraushören.
„Ich dachte eigentlich, dass jemand wie du unempfindlicher wäre“, sagte Hego zu seinem Bruder, als er ihm hoch half.
„Hey, eine Rutschbahn ist kein Auto. Wären wir diese vielen Kurven in einem Auto gefahren, wäre ich jetzt so fröhlich, wie die Zwillinge.“
In der Dunkelheit schien sich plötzlich eine Tür zu öffnen. Der schmale Streifen Licht, der aus dieser Tür kam, wurde immer breiter und mittendrin kam eine merkwürdige Gestalt zum Vorschein. Aufgrund der Lichtverhältnisse ließ es sich nicht erkennen, ob diese Gestalt Mensch oder Vogel war. Die Federn könnten von seiner Kleidung stammen und der Schnabel könnte auch nur eine sehr große, spitze Nase sein.
„Ha ha“, lachte der Schatten und stellte damit eindeutig klar, dass es sich um einen Menschen handelte, „ich hätte nie gedacht, dass Team Go so leicht in die Falle von Aviarius tappt!“
Hego fragte: „Wer ist Aviarius?“
„Ich! Ich bin Aviarius! Der finstere Herrscher über die Vogelwelt! Bereitet euch auf meinen Zorn vor!“
„Und wann wird uns dieser Zorn treffen?“ wollte Mego wissen.
„Sofort!“
Der Raum wurde hell erleuchtet und Team Go erkannte, dass sie von hunderten, vielleicht sogar tausenden von Spatzen umringt waren. Shego tippte Hego nervös auf die Schulter. Es war einer der wenigen Momente, in denen sie wirklich Angst zu haben schien.
„Hast du...schon einen Plan?“ fragte sie.
„Fürs Erste würde ich sagen, wir schlagen wie kleine, verängstigte Schulmädchen um uns. Aber nicht zu fest, diese Vögel sind schließlich auch Lebewesen.“
„Lebewesen, die uns umbringen wollen!“
„Trotzdem. Superhelden töten und verletzen nicht, sie retten.“
„Also wäre es ganz gut, wenn jetzt ein Superheld vorbei käme und uns retten würde, sehe ich das richtig?“
Aviarius hob demonstrativ seine Hände und rief: „Spatzen des Todes, zum...sagt mal, hat sich einer von euch übergeben?“
Mego hob die Hand.
„Ja, sorry, das war ich. Ihre Rutschbahn ist mir nicht so recht bekommen.“
„Widerlich. Du stirbst zuletzt! Jemand muss die Schweinerei schließlich wieder wegmachen. Spatzen des Todes, zum Angriff!“
Auf das Kommando ihres Gebieters flogen die Spatzen los.
„Es war viel schlimmer, als noch ein paar Stunden zuvor auf der Parade. Dort sollten die Spatzen nur für Verwirrung unter hunderten von Menschen sorgen. Hier sollten sie fünf Menschenleben beenden.“
Die Helden schlugen wie wild um sich. Sie erwischten hier und da mal einen Vogel, doch ihre gefiederten Gegner schienen überall und nirgends zu sein. Sie pickten mit ihren kleinen Schnäbelchen kurz auf ihre Opfer ein und verschwanden dann sofort wieder. Nur der minimalen Größe der Spatzen war es zu verdanken, dass Team Go bis dahin noch keine größeren Verletzungen davongetragen hatte.
„Diese Spatzen machten mich wütend. Richtig wütend! Aber am schlimmsten war Hego, der unter all dem Geflatter und Gezwitscher immer wieder rief: „Tut den Vögeln nichts! Sie sind doch auch nur Opfer!“ Aber als sich dann einer von ihnen in meinen Haaren verfing, war die Zündschnur endgültig abgebrannt.“
Shego packte den Spatz und und riss ihn sich, zusammen mit einigen ihrer Haare, vom Kopf. Als sie ihn in ihrer Hand hielt, drückte sie ihre Faust schließlich so fest zu, dass dem Vogel der Kopf abfiel – und viele kleine Schrauben, Zahnräder und Sprungfedern zum Vorschein kamen.
„In dem Moment wusste ich nicht, was mich mehr erschrak. Dass einem Vogel der Kopf abfällt, wenn man seinen Körper fest genug quetscht oder dass es kein echter Vogel war. Und irgendwie...irgendwie hatte ich für einen kleinen Moment Angst vor mir selber. Dann war ich aber doch erleichtert, dass wir uns endlich gegen die Spatzen wehren konnten.“
„Sie sind nicht echt!“ rief Shego und hielt demonstrativ den kopflosen Vogel, aus dessen Hals eine Art Uhrwerk hervorquoll, hoch.
Man konnte an Hegos Gesichtsausdruck eindeutig sehen, dass er ein bis zwei Sekunden brauchte, um die Bedeutung des Gesehenen zu verstehen.
Als sich seine Miene vom puren Entsetzen zu einem Lächeln erleichterte, rief er: „Team Go! Greift an!“ und erwischte sogleich fünf Spatzen mit einem Schlag.
Seine Geschwister taten es ihm gleich und setzten ihre Kräfte ein. Shego sprang, schlug und kickte in alle Richtungen. Keiner ihrer Angriffe ging dabei ins Leere. Wenn Mego nicht gerade versuchte, möglichst viele Vögel zu Boden zu schleudern und auf ihnen herum zu trampeln, verkleinerte er sich so sehr, dass er auf einen Spatzenrücken springen und ihn durch gezieltes Zerren an den Flügeln so steuern konnte, dass er ganze Massenkarambolagen verursachte. Die Zwillinge vervielfältigten sich vier- bis fünffach und schlugen und trampelten ebenfalls auf die gefiederten Feinde ein.
Als nach einigen Minuten der Boden des Raumes von Federn und Feinmechanikteilen (sowie einem Kotzfleck) bedeckt war, wandte sich das Team dem Urheber dieser Teufelei zu.
„Und? War das schon alles?“ fragte Hego ihn und bäumte sich bedrohlich vor ihm auf.
Der Vogelmann stammelte nervös: „Ähm, j-ja. Al-alles. Das...war alles. Ich d-dachte, das wäre...das wäre genug. Ha-ha-hab noch nicht so oft mit S-Superhelden zu tun gehabt. Ist das erste mal! Und...jetzt wird mir auch klar, warum man mir so oft gesagt hat, ich soll den Raum verlassen, während ihr um euer Leben kämpft.“
Hego hob seinen Gegner am Kragen hoch und verkündete: „Sieht so aus, als kommt dieser Vogel zurück in seinen Käfig.“
„Oh, he he, der war gut“, sagte Aviarius mit einem gequälten Lächeln. „Etwas offensichtlich, aber gut.“
„Danke.“
„Was ist mit dem Geld!?“ rief Shego. „Das, was er heute gestohlen hat.“
„Das wird die Polizei als Beweismittel beschlagnahmen.“
„Weiss ich auch, doch wenn er uns jetzt jetzt sagt wo es ist, braucht die Polizei nicht danach zu suchen.“
„Gut mitgedacht, Schwester. Los, wo ist es?“
Aviarius seufzte.
„Geradeaus, dann links. Dritte Tür. Es steht „Geld-Raum“ drauf. Dort ist die Beute aus all meinen Raubzügen versteckt. Zumindest der Teil, den ich noch nicht ausgegeben habe.“
Shego ging mit einem unschuldigen Lächeln los.
„Ich kontrolliere mal, ob er die Wahrheit sagt.“
„Ich spürte noch einen vorwurfsvollen Blick von Mego im Nacken. Er wusste, was ich vorhatte, aber er hat mich nie verpetzt. Dieses ganze Familien-Zusammenhalt-Dings, von dem Hego immer redete, schien ihm wohl etwas zu bedeuten. Selbst wenn seine Schwester illegalen Aktivitäten nachging. Vielleicht hätte es ihn auch einfach nur gestört, dass ich im Mittelpunkt gestanden hätte und nicht er, wenn mein Treiben ans Licht gekommen wäre. Trotzdem, die Diebe zu bestehlen, wurde nicht mein einziges Laster.“