Kapitel 14

Der Aviarius-Faktor (Der Anfang vom Ende, Teil 6)

„Als Aviarius zum ersten Mal aus dem Gefängnis ausbrach, entführte er einige Wissenschaftler, die für ihn...sonstwas bauen sollten. Also flogen wir zu seinem Versteck und machten uns an die Arbeit.“

Erneut parkte das Team den Jet in einem Tal, in der Nähe von Aviarius' Geheimversteck.
„Wie lautet unser Plan, furchtloser Anführer?“ fragte Shego ihren Bruder.
Hego antwortete: „Wir gehen vor, wie gehabt. Rein durch die Vordertür, Überraschungseffekt, Aviarius schnappen, tun was zu tun ist, fertig.“
„Ähm, Bruder? Du weisst schon noch, was beim letzten Mal passiert ist, als wir einfach durch die Vordertür marschiert sind, oder?“ fragte Mego. „Ich kann mich nämlich noch gut daran erinnern.“
„Keine Bange. Natürlich wird die Falle, die uns beim letzten mal erwartet hat, nicht mehr dort sein. In der Zwischenzeit wird er sie entfernt haben. Er muss nämlich davon ausgehen, dass wir, jetzt wo wir wissen, dass sich hinter dem Haupteingang eine Falle befindet, es schon jedem erzählt haben und wir eben nicht mehr besagten Haupteingang benutzen. Stattdessen erwartet er, dass wir uns ganz woanders einschleichen, wo dann natürlich jetzt die Falle in Wirklichkeit steht.“
„Leuchtet mir ein. Gehen wir.“
Shego hielt Mego am Kragen fest.
„Halt, nicht so schnell. Das ist Blödsinn!“
„Warum? Für mich klang es logisch. Du wolltest schließlich nicht durch die Vordertür, weil wir dort beim letzten Mal in eine Falle getappt sind. Also wird deshalb Aviarius auch denken, dass wir nicht durch die Vordertür reinkommen. Das ist ein perfekter Plan. Voll psychologisch und so.“
Shego seufzte einmal tief.
„Kommst du jetzt?“ fragte Hego.
„Ja,“ stöhnte sie, „wie ihr meint.“

„Und so gingen wir erneut durch die Vordertür in Aviarius' Versteck. Und ratet mal! Nach weniger als einer Minute steckten wir in genau dem selben gigantischen Vogelkäfig, in dem wir schon einmal waren.“

Shego boxte Hego einmal kräftig auf die Schulter.
„Au! Wofür war das denn?“
„Sieh dich mal um, erinnere dich an die kleine Diskussion die wir draussen hatten und dann überlege dir, ob du mir diese Frage wirklich nochmal stellen möchtest.“
In diesem Moment öffnete sich wieder der Käfigboden und die ganze Familie rutschte erneut die verborgene Rutschbahn hinab, in den dunklen Raum.
„Okay,“ sagte Shego nach der erneut sehr harten Landung, „das hätte ich vorhersehen müssen.“
Mego stand langsam auf.
„Wisst ihr, beim zweiten mal ist es gar nicht so schlimm. Mir geht es diesmal gut.“
„Aber diese Rutschpartie sollte nicht zur Gewohnheit werden,“ sagte Hego.
Seine Schwester applaudierte.
„Bravo! Endlich sagt hier mal jemand etwas Gutes.“
„Dein Sarkasmus wird uns jetzt hier auch nicht raushelfen, Schwesterchen.“
„Nein, aber er hat uns auch nicht hier rein gebracht.“
Hego ignorierte diese Bemerkung und sah sich um. Wie beim letzten Mal befanden sie sich im Inneren eines Scheinwerferspots, während um sie herum reinste Dunkelheit herrschte.
„Was für grauenhafte Dinge wohl in der Dunkelheit auf uns lauern?“ fragte er in den Raum hinein.
„Wir schauen...“ „...mal nach,“ antworteten die Zwillinge, fingen an zu leuchten und gingen mit vier weiteren Ausgaben ihrer selbst, als lebende Taschenlampen ins Dunkel.
„Hier ist nichts!“ riefen alle Sechs nach kurzer Zeit.
„Hm, das ist merkwürdig,“ sagte Hego ruhig und kratzte sich am Kinn. „Also ich glaube ja, das dicke Ende kommt noch. Er will uns in Sicherheit wiegen und dann schlägt er zu. Ich glaube, wir sollten einfach abwarten, was passiert.“

„Also haben wir gewartet. Nach ungefähr 20 Minuten passierte aber immer noch nichts.“

Hego sah verärgert auf seine Uhr.
„Ich finde das mehr als unhöflich. So benimmt man sich als Schurke nicht.“
„Was meinst du damit? Hat Aviarius etwas nicht das Recht, um uns in einem dunklen Verlies verrotten zu lassen?“
„Ach Shego, eigentlich kann er mit uns machen, was er will, aber es wäre doch zumindest angebracht, per Lautsprecher so etwas zu sagen wie: 'Jetzt werdet ihr für immer in diesem dunklen Verlies bleiben, hahahahaha'. Aber eigentlich verlangt es ja die Tradition, dass er uns erst seinen Plan erklärt, dann irgendeine langsame, aber tödliche Falle aktiviert und uns unserem Schicksal überlässt.“

„Seht ihr, was das für ein Klischee ist?“

„Vielleicht will er mal etwas neues ausprobieren?“
„Meinst du?“
„Keine Ahnung. Ist mir auch egal.“
„Wenn ihr meine Meinung hören wollt“, schaltete sich Mego ein, „sollten wir ihn einfach fragen. Und am besten geht das, wenn wir hier raus kommen. Also, wer hilft mir beim Ausbruch?“
„Wow, auch Mego hat ausnahmsweise recht! War beim letzten Mal nicht irgendwo eine Tür?“
„Meinst du, die lässt sich von innen öffnen, Schwesterchen?“
„Oh, du hast recht, das werden wir wohl nicht schaffen. So ein Mist aber auch. Leider ist keiner von uns stark genug, um die Tür aufzubrechen. Halt, warte mal! Wenn ich mich richtig erinnere, --“
„Ja, wir alle wissen, was du meinst,“ sagte Hego und machte sich daran, die Tür zu finden, welche er dann mit nur einem Schlag aufbrach.
„Also, wenn dieser Knall ihn nicht dazu bringt mit uns zu reden, weiss ich auch nicht.“
„Muss er überhaupt mit uns reden?“
„Nein. Suchen wir ihn und die entführten Wissenschaftler einfach.“
In diesem Moment kam auch schon ein sichtlich überraschter Aviarius um die Ecke.
„Hey! Was soll der...oh. Ihr seid es.“
Auch Team Go war von dem plötzlichen Auftauchen ihres Gegners überrascht.
„Ähm, ja! Wir sind es!“
Dann sahen sich die Kontrahenten für einige Augenblicke stumm an, bis Shego rief: „Wo sind die entführten Wissenschaftler?!“
Aviarius entgegnete ihr: „Ach ja, die. Fangt mich doch,“ und rannte davon.
Das Team folgte ihm, doch die Jagd endete ganz plötzlich in einem weiteren, dunklem Raum.
„Wow, dieses Versteck hat aber viele große, dunkle Räume,“ sagte Hego und er und seine Geschwister fingen an, den Raum eigenständig zu erleuchten.
„Darf ich euch die Arbeit abnehmen?“ verkündete Aviarius über einen Lautsprecher und schaltete das Licht ein.
Erneut fand sich das Team von hunderten von Spatzen umringt.
„Ach komm. Schon wieder deine Spatzen des Todes?“ fragte Mego.
„Das sind meine neuen und verbesserten Spatzen des Todes! Was glaubt ihr wohl, warum ich die Wissenschaftler entführt habe?“
Hego seufzte.
„Okay, aber bevor der Kampf erneut losgeht, würde ich gerne wissen, warum du deine Spatzen nicht schon vorhin auf uns gehetzt hast?“
„Naja, ich habe nicht erwartet, dass ihr schon wieder durch die Vordertür reinkommt.“
Hego fragte: „Könntest du das nochmal wiederholen?“ und sah aus den Augenwinkeln zu seiner Schwester.
„Ich sagte, ich habe nicht erwartet, dass ihr schon wieder durch die Vordertür reinkommt! Die Falle dahinter hatte ich nur aus Routine eingeschaltet. Hätte auch nicht gedacht, dass ihr zweimal in die selbe Falle tappt! Wie dumm muss man bitte schön sein?“
„Könntest du...die letzten zwei Sätze auch nochmal wiederholen?“ fragte Shego und lächelte dabei Hego an.
„Nein! Sehe ich aus wie ein Diktiergerät, das man nach belieben vor- und zurückspulen kann? Macht euch bereit zu sterben! Neue und verbesserte Spatzen des Todes! Zum Angriff!“

„Und so ging der ganze Spaß von vorne los. Und wisst ihr was? Die Spatzen waren wirklich neu und verbessert, nur brauchten sie, um ihre neuen Fähigkeiten zu zeigen, eine längere Aufwärmphase und bis dahin hatten wir sie besiegt wie gehabt, Aviarius gefasst und die Wissenschaftler befreit. Eine Woche später verschwand er wieder aus dem Gefängnis und ein riesiger Adler wurde dabei beobachtet, wie er ein ultrageheimes Geheimding aus einer ebenso ultrageheimen Militärbasis trug. Also durften wir uns wieder überlegen, wie wir am besten in Aviarius' Versteck gelangen konnten.“

„Wir gehen durch den Haupteingang und...“
„Halt, halt, halt, Hego, anscheinend leide ich unter einer Mittelohrentzündung. Ich verstehe dich schlecht.“
„Möchtest du dann vielleicht lieber zum Arzt, Shego?“
„Nur, wenn du gerade wirklich gesagt hast, dass wir wieder durch den Haupteingang gehen. Aber dann solltest eigentlich du zum Arzt gehen, weil es meinen Ohren gut geht, aber anscheinend deinem Hirn nicht.“
„Nun...ich habe in der Tat gesagt, dass wir durch den Haupteingang gehen, also...ist es gut zu wissen, dass es deinen Ohren gut geht. Wir gehen durch den Haupteingang und ,--“
Plötzlich riss Shego ihren Arm hoch und sprang aufgeregt auf und ab.
„Frage!“
„Ja?“
„Weisst du noch, was die letzten beiden Male passiert ist, als wir durch den Haupteingang gingen?“
„Ja, aber diesmal wird garantiert nichts passieren. Schließlich wissen wir ja jetzt, wo die Falle ist und Aviarius hat schon beim letzten Mal keinen Angriff von vorne erwartet. Diesmal wird er ihn noch weniger erwarten, denn mal ehrlich, wer greift schon drei mal auf die selbe Art und Weise an?“
Bevor Shego antworten konnte, hielt Mego ihr den Mund zu.
„Sorry, Schwesterchen, aber je länger ihr zwei streitet, desto später können wir Aviarius' Pläne vereiteln und ausserdem geht ihr mir auf die Nerven.“
„Er hat Recht! Zum Haupteingang! Was ist, Shego? Kommst du jetzt oder willst du dir den Spaß entgehen lassen?“

„Diesmal sind wir nicht sofort im Käfig gelandet. Doch kaum hatten wir die nächste Tür geöffnet, hingen wir in einem erstaunlich reiss- und schnittfesten Netz, ungefähr 50m über einem riesigen Gartenhäcksler.“

„Hast du toll gemacht, Mego“, meckerte Shego.
„Was habe ich denn mit unserer momentanen Situation zu tun?“
„DU hast die Tür geöffnet, DU bist einfach hindurch gegangen ohne nach Fallen zu suchen und DU warst es, der die Falle schließlich ausgelöst hat weshalb DU, zusammen mit UNS, jetzt hier in diesem Netz steckst.“
Mego überlegte einen kurzen Moment.
„Ja, da haben wir wohl irgendwie Mist gebaut.“
„Wir?!“
„Naja, ich habe nicht gemerkt, dass auch nur irgendeiner von euch versucht hat, mich aufzuhalten.“
„Okay, sobald wir hier raus sind, trete ich dir so kräftig in den Hintern, dass ,--“
„Ganz ruhig,“ unterbrach sie Hego. „Schuldzuweisungen helfen uns auch nicht weiter.“
„Aber er...“
„Aber sie...“
„Darum kümmern wir uns gleich wie eine Familie. Erstmal müssen wir uns aber um Aviarius kümmern.“
„Erstmal müssen wir uns um uns kümmern!“
Das laute Quietschen einer Rückkopplung kam aus einem Lautsprecher an der Wand, gefolgt von Aviarius' Stimme.
„Das ist euer Ende, Team Go! Aus diesem Netz werdet ihr euch nicht befreien können und ich werde mit Hilfe der Geheimwaffe aus dem Militärlabor Go City zerstören und später die Welt beherrschen. Habt ihr noch irgendwelche letzten Worte? Ja, äh, der Blaue?“
„Ich bin Hego und ich würde gerne wissen, worum es sich bei der Geheimwaffe handelt!“
„Das...sage ich euch doch nicht!“
„Er hat...“ „...keine Ahnung,“ lachten die Zwillinge.
„Natürlich habe ich eine Ahnung! Glaubt ihr, ich klaue etwas, ohne zu wissen was es ist? Es euch zu sagen wäre nur Zeitverschwendung und ausserdem teile ich mit meinen Erzfeinden doch keine Informationen! Bereitet euch auf euren Untergang vor!“
„Halt, da wäre noch eine Sache!“ rief Hego. „Warum der Häcksler? Wo sind deine Vögel?“
„Die...sind noch kaputt. Macht's gut!“
Aviarius drückte einen Hebel und das Netz mit den Helden sank gaaaaanz langsaaaaaam nach unten. Der Schurke verließ währenddessen den Raum, um sich anderen Dingen zu widmen.
„So langsam wie das Netz sinkt, frage ich mich, was uns zuerst umbringt. Der Häcksler oder die Altersschwäche.“
„Ach halt die Klappe, Mego. Du hast uns in diese Lage gebracht und deshalb hast du auch kein Recht um jetzt irgendwelche Sprüche zu klopfen.“
„Gut, dann nicht. Ich könnte uns aber alle retten!“
„Das wäre das Mindeste.“

„Mego schrumpfte sich klein genug um durch die Maschen des Netzes zu schlüpfen, kletterte nach draussen, stoppte den Häcksler, befreite uns, wir kämpften nochmal kurz gegen einen riesigen Adler, Hego ließ seinen Vogel-im-Käfig-Spruch ab, Aviarius kam ins Gefängnis, das Militär erhielt ihre Geheimwaffe zurück und Mego hielt uns tagelang bei jeder Gelegenheit vor, dass er uns aus dem Netz befreit hatte. Bis Aviarius erneut aus dem Gefängnis ausbrach. Und glaubt es, oder nicht, doch diesmal krochen wir tatsächlich durch einen Luftschacht, anstatt die Vordertür zu benutzen. Und wir krochen lange. Sehr lange.“

„Mir ist gerade etwas aufgefallen,“ sagte Mego zu seinen Geschwistern. „Wir befinden uns nun tatsächlich schon seit mehr als einer halben Stunde in diesem Luftschacht und meine Knie fangen langsam an zu schmerzen. Wann sind wir endlich am Ziel, Hego?“
„Jetzt.“ Hego stoppte und warf einen prüfenden Blick durch ein Lüftungsgitter. Danach revidierte er seine Aussage. „Okay, jetzt noch nicht. Wir müssen noch etwas weiter.“
Der Rest des Teams stöhnte enttäuscht auf.
Shego fragte: „Hast du überhaupt eine Ahnung wo wir hin müssen? Nicht, dass ich mich beschweren will oder so etwas, obwohl ich jetzt seit über 30 Minuten Megos Hintern vor meinem Gesicht habe, doch ein Teil von mir ist sich nicht sicher, ob du weisst, wo die Reise hingeht.“
„Keine Bange Schwesterchen. Ich habe die Pläne des Gebäudes gelesen, bevor wir losgegangen sind.“
„Darf ich mal einen Blick darauf werfen?“
Hego schwieg, was den Verdacht Aller zu bestätigen schien.
„Darf...Mego dann mal einen Blick darauf werfen?“
„Das...geht nicht. Ich hab die Karte nicht dabei.“ Das Team stöhnte genervt auf. „Aber ich weiss wo wir hin müssen.“
„Sicher?“
„Im Groben, ja.“
„Wie meinst...“ „...du das?“
„Er meint, dass wir uns verirrt haben.“
„Nein, haben wir nicht. Nicht ganz. Wir sind im richtigen Lüftungsschacht. Wir müssen nur den richtigen Raum finden.“
„Und woran erkennst du ihn?“ fragte Mego.
„Ich...werde ihn erkennen. Keine Sorge.“
Ohne noch weiter auf seine Geschwister einzugehen, drehte sich Hego um und kroch weiter.

„Hego war durch und durch gut und edel und so ein Zeug, aber auch ihm war es peinlich, wenn er etwas falsch gemacht hatte. Ich mochte das. In solchen Momenten war er ein Mensch. Und Schadenfreude hatte auch etwas damit zu tun.“

Nach einigen weiteren Lüftungsgittern nickte Hego zufrieden und flüsterte zum Rest des Teams: „Hier sind wir richtig. Ich zähle bis drei, dann haue ich ein Loch in die Wand und wir springen durch. Eins, zwei, drei.“
Hego lieferte das bestellte Loch in der Wand, das Team sprang hindurch, fiel durch eine Falltür im Boden und landete in einer Gefängniszelle.
„Ich hätte gerne eine Rechtfertigung dafür, großer Anführer,“ sagte Mego, als er realisierte, was passiert war.
„Die Falltür...war in einem toten Winkel. Ich konnte sie einfach nicht sehen. Ich habe einen Fehler gemacht.“
„Seid ihr mir schon wieder in die Falle gegangen,“ rief Aviarius, als er plötzlich aus der Dunkelheit an die andere Seite der Gitterstäbe herantrat.
„Ja, ja, ja, kürzen wir es ab. Wir werden jetzt unserem Schicksal und der Rache des Aviarius entgegentreten, bla bla bla. Jetzt erkläre uns schon deinen Plan, solltest du einen haben, und aktiviere deine Todesfalle.“
„Warum so ungeduldig, junge Dame? Habt ihr noch etwas vor?“
„Ja, wir wollen deiner Falle entkommen, deinen Plan vereiteln und dich zurück ins Gefängnis werfen.“
Aviarius seufzte.
„Gut, dir kann ich es wohl nicht recht machen. Mein Plan ist simpel. Rache! Rache an euch! Bereitet euch auf euren Untergang vor, durch meine riesige, mutierte Vogelspinne!“

„An dieser Stelle möchte ich euch ein Geheimnis verraten. Zu den wenigen Dingen die mich starr vor Angst werden lassen, zählen riesige Insekten und Spinnentiere. Wenn sie klein sind, selbst wenn es sich um eine normalgroße Vogelspinne handelt, die ja auch schon so groß wie eine Hand werden kann, habe ich keine Probleme mit ihnen, aber alles ab Katzengröße ist zuviel für mich. Das gilt aber nur für Insekten und Spinnentiere. Riesenkraken oder gigantische Pudel sind okay.“

„Einen...“ „...Moment!“ riefen die Zwillinge. „Warum hat jemand...“ „...wie sie eine Vogelspinne? Wissen sie...“ „...nicht, warum sie so heisst?“
Aviarius verschränkte die Hände hinter dem Rücken und sah zu Boden.
„Ja,“ sagte er, „aber ich habe sie aus einem Katalog bestellt und...war etwas voreilig. Ich hab nur 'Vogel' gelesen, die Bestellnummer durchgegeben und 48 Stunden später stand da diese riesige Kiste vor der Tür. Doch das ist jetzt egal! Denn ihr werdet jetzt einen unglaublich grausamen Tod sterben!“
Der Vogelmann zog an einem Hebel und die Wand die Rückwand der Gefängniszelle öffnete sich. Dahinter befand sich ein großer, dunkler Raum.

„Aviarius liebte große, dunkle Räume.“

Das Team wich so weit zurück, wie es konnte. Hinter ihnen lachte Aviarius, vor ihnen befand sich ein großes Nichts, aus dem jederzeit eine achtbeiniges Monster hervorspringen konnte.
Nur, dass es das nicht tat.
So langsam verging Aviarius das Lachen.
„Eigentlich sollte sie auch schon längst gefressen haben. Tut mir leid, ich weiss nicht, was da los ist.“
„Wir sehen...“ „...mal nach,“ sagten die Zwillinge und rannten in die Dunkelheit.
Shego rief noch: „Bleibt hier!“ und wollte sie festhalten, doch sie war so starr, dass sie sich nicht bewegen konnte.
„Wir sollten hinterher und ihnen helfen,“ sagte Hego.
„Okay, nach dir. Ich kümmere mich um Shego. Sie wirkt irgendwie blasser als sonst.“
In dem Moment kamen die Zwillinge wieder zurück.
„Ihre Spinne...“ „...ist tot!“

„Ich bin übrigens sehr glücklich, dass ich nie in meinem Leben eine echte Riesenspinne sehen musste.“

„Was!? Was habt ihr zwei Babys mit meiner unglaublich teuren Riesenspinne gemacht!?“
„Gar nichts.“ „Die lag schon so da. Auf dem...“ „...Rücken. Und die Beine...“ „...eingerollt. Vielleicht haben...“ „..sie sie falsch gefüttert.“
„Naja, ich habe sie gar nicht gefüttert. Womit hätte ich sie füttern sollen? Riesenheuschrecken? Ihr solltet ihre erste Mahlzeit sein.“
In diesem Moment drehte sich Hego um, griff durch die Gitterstäbe hindurch und packte Aviarius am Kragen.
„Sieht so aus als kommt dieser Vogel zurück in seinen Käfig. Und diesmal auch noch wegen Tierquälerei.“

Shego trank einen Schluck Tee und gähnte.
„Wisst ihr, so ging das über Jahre. Gefängnisausbruch, böser Plan, wir schleichen uns in sein Versteck, werden wegen irgendeiner Dummheit meiner Brüder gefangen, Aviarius redet, aktiviert eine Falle, wir entkommen, vereiteln seinen Plan und werfen ihn ins Gefängnis. Es war wie eine ganz schlecht geschriebene Fernsehserie, in der sich jede Woche das selbe Schema wiederholt. Und dann waren da noch die kleinen Jobs zwischendurch, wenn wir uns um jeden verdammten Handtaschendieb der Stadt kümmern mussten. Da musste mir ja eines Tages der Kragen platzen. Und wie er mir platzte.“