Kapitel 3

Das unheimliche Leuchten (Team Go Begins, Teil 3)

"Da waren wir nun", erzählte Shego weiter. "Unsere Eltern waren vor weniger als 24 Stunden auf erschreckende Weise ums Leben gekommen, was natürlich erklärte, warum wir alle, obwohl wir eigentlich von all dem Stress des Tages viel zu müde waren, trotzdem noch bis weit nach Mitternacht wach lagen."

Es war mittlerweile gegen 1:00 Uhr morgens. Die Einzigen, die schlafen konnten, waren die Zwillinge, doch selbst die schliefen nicht zu gut.
"Ich mag Mr Pink irgendwie", sagte Hego plötzlich einfach so.
Mego, der gerade endlich für eine Sekunde eingenickt war, murmelte: "Was? Wen magst du?"
"Mr Pink. Den Leiter des..."
"Ja, ich weiss, wen du meinst. Wie kommst du jetzt darauf?"
"Hab nachgedacht. Über den vergangenen Tag und so. Was Mr Pink mit diesem...diesem Schläger angestellt hat, das hat mich beeindruckt."
"Mich auch", sagte Shego.
Hego und Mego setzten sich auf und fragten: "Echt jetzt?"

"Auch damals schon war ich ziemlich zurückhaltend, mit meiner Begeisterung."

"Ja. Er hat diesen Dennis doch astrein blamiert."
Mego legte sich grinsend wieder hin. Hego blinzelte etwas verwirrt.
"Nein, so meinte ich das aber nicht. Er...gut, er hat ihn blamiert, doch nur, weil er sich um ihn kümmert."
"War trotzdem eine coole Blamage."
"Daran ist nichts cool, Schwester. Du solltest dir an Mr Pink ein Vorbild nehmen und dich mehr um deine Mitmenschen kümmern." Hego ließ sich ins Bett zurückfallen. "Ja, anderen Menschen helfen. Das würde ich gerne machen."
"Und wer hilft uns?" flüsterte Shego in ihr Kissen.
"Weißt du womit du anfangen kannst, großer Bruder? Du könntest ruhig sein. Damit hilfst du mir nämlich beim einschlafen."
"Okay, tut mir leid."

"Es hat mich in der Nacht ziemlich aufgeregt, dass mein Bruder lieber über Mr Pink, als über seine...unsere Eltern nachdachte. Später wurde mir klar, dass er sich vermutlich nur ablenken wollte. Als ich es dann endlich geschafft hatte einzuschlafen, hatte ich einen Traum. Ich werde ihn nie vergessen, denn es ging darin nur um eines. Es ging um Feuer."

Das Feuer war überall. Es gab kein Entrinnen. Die kleine Shego konnte rennen, wohin sie wollte, das Feuer war schon vor ihr da.
Doch plötzlich sprang ein Clown aus dem Feuer, drückte auf seine rote Clownsnase, die ein hupendes Geräusch von sich gab und rief: "Hey, hey, hey, die Bananen wollen Steine, doch morgen ist es zu kalt um Nägel zu kauen!"

"Okay, der Traum handelte von Feuer und einem Schwachsinn daher plappernden Clown."

Der Clown sprang rückwärts zurück ins Feuer. Nur eine Sekunde später streckte ein Elefant seinen Kopf durch die Flammen. Das Feuer konnte ihm ebensowenig anhaben, wie dem Clown.
Er sah Shego in die Augen und sagte: "Fisch."

"Also Feuer, ein Clown und ein sprechender Elefant."

Als der Elefant in hohem Bogen über Shego hinweg sprang, sorgte der von ihm verursachte Luftzug dafür, dass die Flammen auf das kleine Mädchen übergriffen. Ihre Hände brannten. Es tat nicht weh, trotzdem schrie sie so laut sie konnte und wachte schließlich auf.

"Für einige, wenige Sekunden war ich so glücklich wie jeder Mensch, der aus einem Alptraum aufwacht und merkt, dass alles in Ordnung ist. Dann, als ich mir den Schweiss von der Stirn wischen wollte, bemerkte ich, dass meine Hände wirklich brannten."

Shego starrte schockiert auf ihre Hände, die von grünen Flammen umgeben waren. Auch jetzt war von Schmerz keine Spur, doch wenn man schonmal einen guten Grund hat, um um 3:00 Uhr morgens wie am Spieß zu schreien, sollte man es auch tun
Natürlich dachte Shego nicht wirklich über so etwas nach, als sie aus vollster Kehle schrie und damit nicht nur ihre Brüder, sondern gleich auch jede einzelne Person im Haus auf sehr unsanfte Art und Weise weckte.

Hego war der Erste, der am Bett seiner kleinen Schwester stand.
"Was ist passiert?" fragte er.
Als Shego antworten wollte, bemerkte sie, dass ihre Hände schon wieder erloschen waren.
"Mei...meine Hände. Ich hatte...wohl nur einen Alptraum."
"Nicht nur du," murmelte Mego schläfrig, als er sich neben seine Schwester setzte. "Darf ich jetzt weiterschlafen?"
"Kannst du vielleicht ein bisschen netter zu ihr sein? Du siehst doch, dass es ihr nicht gut geht."
"Ist schon gut," sagte Shego leise. "Ich lege mich jetzt einfach wieder hin."
In diesem Moment sprang die Tür auf, Mr Pink schaltete das Licht ein und fragte: "Was ist passiert?"
"Alles unter Kontrolle, sie hatte nur einen Alptraum."
Eine Gruppe von Kindern, unter ihnen auch Dennis, hatten sich hinter Mr Pink versammelt. Einige von ihnen kicherten.
"Hey, genug jetzt," sagte Mr Pink zu ihnen. "Nur weil sie nicht wie ihr in ihre Bettdecke weint, sondern wie von Freddy Krüger gejagt losschreit, wenn sie in ihrer ersten Nacht hier einen Alptraum hat, ist das kein Grund zu lachen. Jetzt geht wieder ins Bett, bevor ich anfange die Namen der Heulsusen zu nennen. Es war nämlich jeder von euch." Nachdem sich die Kinder ohne ein Wort zu sagen wieder in ihre Zimmer verschwunden waren, drehte sich Mr Pink wieder zu Shego, Mego und Hego. "Alles wieder in Ordnung?"
"Ja, mir geht's wieder gut."
"Okay. Bevor ich's vergesse: Frühstück gibt's morgen von 6 bis 8. Wünsche noch eine gute Nacht. Wenn etwas sein sollte, schrei einfach."
Mit diesen Worten schaltete er das Licht aus und schloss die Tür.
"Ich leg mich wieder hin", verkündete Mego im selben Moment, in dem er die von ihm genannte Aktion ausführte.
Hego nahm die Hand seiner kleinen Schwester und fragte: "Geht es dir wirklich wieder gut?"
"Ja", antwortete sie und ließ seine Hand los.
"Gut, wenn du es sagst? Brauchst du noch etwas?"
"Nein."
"In Ordnung, Schwesterchen. Gute Nacht."
Shego gab noch ein "Hm" von sich und legte sich wieder hin. Hego deckte sie noch richtig zu und ging dann zurück in sein Bett.

"Ich war schon immer die Stärkste in meiner Familie. Ich habe nie wirklich die Hilfe oder den Beistand von Anderen gebraucht."

Nur wenige Minuten später stand Shego auf und kletterte leise zu Hego ins Bett. Dort schlief sie ruhig bis zum Morgen.

"Bekomme ich den Film eigentlich zu sehen, bevor ihr ihn veröffentlicht? Mir ist gerade klar geworden, dass die Menschen vielleicht nicht doch alles angeht, was ich vor der Kamera erzähle. Denkt daran, dass ich noch immer schlimme Sachen mit euch anstellen kann, wenn mir euer Film nicht gefällt."

Der nächste Morgen. Nach einem erstaunlich gutem Frühstück warteten die Geschwister gemeinsam auf Mr Pink, doch statt ihm, kreuzte nur Dennis auf. Mit einem irgendwie wenig intelligent wirkendem Grinsen stellte er sich direkt vor Shego, die ihm aber wenig Beachtung schenkte. Irgendwie war sie über alle Maßen vom Teppichmuster fasziniert. Hego hingegen hatte schon einen wachsamen Blick auf ihn geworfen, immer bereit, seiner kleinen Schwester beizustehen.
"Hey, du", sagte Dennis.
Shego hob langsam ihren Kopf, stöhnte nur genervt und widmete sich wieder dem, wirklich faszinierenden Teppichmuster.
"Sag mal, immer noch Angst vor dem schwarzen Mann?" fuhr Dennis fort und verbreiterte anschließend sein Grinsen in dem Irrglauben, einen unglaublich intelligenten Scherz auf Shegos Kosten gemacht zu haben.
"Hä?", antwortete sie ohne den Kopf zu heben.
"Öhm...der schwarze Mann. Weil du heute Nacht so geschrien hast. Du Baby! Hast wohl Angst im dunkeln."
Shego sagte nur ruhig: "Nein. Denn ich weiss, dass es keinen schwarzen Mann gibt." Sie hob den Kopf und blickte an Dennis vorbei. "Habe ich recht, Mr Pink?"
Dennis drehte sich blitzschnell um, nur um zu sehen, dass Mr Pink sonstwo war, nur nicht hinter ihm. Als er seinen Blick wieder auf Shego richtete er, konnte er noch sehen, wie sie gelangweilt lächelte, bevor sie wieder versuchte, das Teppichmuster zu entschlüsseln.
"Na toll. Ich wurde von einer Achtjährigen, mit einem unglaublich lahmen Trick veräppelt."
"Ich bin 10. Und ich wette, dass dir das in deinem Leben noch sehr, sehr oft passieren wird."
"Der Meinung bin ich auch", sagte Mr Pink, der in diesem Moment fröhlich zur Tür herein kam. "Ich habe zwar keine Ahnung worum es geht, aber ich stimme dir zu. Kommt ihr dann? Wiedersehen, Dennis. Und wenn ich wiederkomme, erzählst du mir, warum du nicht in der Schule bist." Auf dem Weg nach draussen, warf Mr Pink noch einen Blick auf den Teppich. "Hm. Als ich den Teppich vor 6 Jahren habe verlegen lassen, dachte ich, dass ich mich an seinem Muster nie sattsehen würde. Und bis jetzt habe ich das auch nicht."

"Wo fahren wir eigentlich hin, Mr Pink?" fragte Hego im Auto.
"Zum Smarty Mart. Dort gibt es alles, was ihr braucht. Bevor ihr etwas sagt, der Smarty Mart bietet ausgezeichnete Qualität, nur billiger, und da ich nicht so viel Geld für euch, genauer gesagt, für jedes Kind in meinem Heim bekomme, wie ich eigentlich bräuchte, ist dieser Markt quasi die einzige Alternative. Also beschwert euch jetzt bitte nicht darüber, dass die Kleidung, die ich euch dort kaufen werde, keine Markenware ist. Es ist eine anerkannte Tatsache, dass Smarty Mart und Club Coconut..."
"Banana", verbesserte ihn Shego.
"Ja, wie auch immer. Die Kleidung kommt auf jedem Fall vom selben Fabrikanten. Und ich weiss, dass, wenn ihr in ein paar Wochen wieder zur Schule geht, ihr Angst habt, dass man euch wegen eurer Smarty Mart Kleidung auslacht und so. Doch glaubt mir eines: Ihr seid Waisenkinder. Die erwarten, dass ihr Barfuß und in dreckigen und zerrissenen Klamotten zur Schule kommt und in der Cafeteria mit Tränen in den Augen nach mehr bettelt, also egal was ihr tragen werdet, ihr werdet euch immer einen Haufen dummer Sprüche gefallen lassen müssen, warum solltet ihr dabei dann nicht noch etwas Geld sparen? Und wir werden uns den ganzen Tag Zeit nehmen, weshalb ihr wenigstens das Privileg habt, euch Kleider auszusuchen, die ihr mögt und wenn noch etwas Geld übrig ist, kaufen wir noch etwas nebenbei für euch. Fragen?"
"Äh..."
"Stellt sie gleich, ich muss jetzt erst einen Parkplatz suchen, denn wenn es eines gibt, was der Smarty Mart nicht hat, dann ist es ein freier Parkplatz, wenn man einen braucht."

"Wir haben also den ganzen Tag damit verbracht, uns beim Smarty Mart neu auszustatten. Nichts besonderes. Beim verlassen des Marktes sind wir aber an einem Zeitungsstand vorbeigekommen."

Shego blieb vor den Tageszeitungen stehen und las die riesige Überschrift: "Der bunte Killer aus dem All! Regenbogenmeteor tötet Elternpaar!"
"Mr Pink!?" rief Shego und er und ihre Brüder, die gar nicht bemerkt hatten, dass ihre Schwester nicht mehr neben ihnen herlief, drehten sich um.
"Was ist?"
"Ich würde gerne diese Zeitung haben. Und die Anderen, in denen etwas über den Meteor steht."

"Also hat Mr Pink für uns die ganze nächste Woche hindurch jeden Tag einen Stapel Zeitungen und Zeitschriften mitgebracht. Das war unsere einzige Möglichkeit etwas über den Meteor zu erfahren, da man uns ja sonst nichts erzählt hat. Allerdings haben wir auch nicht wirklich viel erfahren. Satellitenbildern nach, war er Regenbogenfarben, Fragmente oder Überreste wurden zwar gefunden, haben sich aber innerhalb weniger Stunden im Nichts aufgelöst. Sie hatten nichts, um ihn zu untersuchen. Ansonsten begnügten sich die Zeitungen damit, die Geschichte der "traurigen Meteoritenwaisen" auszuwalzen. Da Mr Pink aber immer dafür gesorgt hat, dass uns kein Reporter zu nahe kam - es hieß sogar, dass er einmal eine Pistole gezogen haben soll, was ihm aber niemand beweisen konnte - mussten sie alle Geschichten erfinden und nach einer Woche gingen ihnen die Ideen aus. Dementsprechend verlor die Allgemeinheit auch bald das Interesse. Der Krater wurde mit Beton ausgegossen und eines von diesen dummen 'Bueno Nachos' wurde darauf gebaut. Auch für uns ging das Leben weiter. Nur einen Monat später schickte man uns wieder in die Schule."

Am entsprechenden Morgen, im Frühstücksraum des Waisenhauses. Shego und Hego aßen stumm ihr Frühstück vor sich hin, als sich Mego zu ihnen setzten.
"Ihr glaubt nicht, was ich heute für einen Mist geträumt habe", sagte er. "Also, ich lag in meinem Bett und plötzlich merkte ich, dass das Bett irgendwie größer war als sonst."
"Das ist normal", sagte Hego, während er auf einem Brötchen herumkaute. "In Träumen gelten die Gesetze der Realität nicht, weshalb Dinge und Personen dort ständig anders erscheinen, als..."
Mego fiel ihm ins Wort.
"Jajaja, also ich lag in dem großen Bett und es wurde immer größer und dann merkte ich, dass auch der Raum größer wurde. Schließlich wurde mir klar, dass meine Umgebung nicht größer, sondern ich kleiner wurde. Dann bekam ich Angst, ins Unendliche zu schrumpfen und wachte auf. Zumindest habe ich geträumt, dass ich aufwache, denn ich war nicht wirklich wach, als ich dachte, ich wäre es. Ich war nämlich immer noch klein, wuchs aber schnell auf Normalgröße an. Verrückt, nicht wahr?"
"Hm. Ein Traum eben", sagte Shego unbeeindruckt.
"Oh, das habe ich ja völlig vergessen zu erzählen. In dem Traum habe ich geglüht, als ob ich brennen würde."

In dem Moment verschluckte sich Shego an ihrem Butterbrot.

"Ich hatte meinen Traum von damals schon wieder vergessen, bis zu dem Moment, in dem Mego von seinem erzählte."

Hego klopfte seiner Schwester sanft auf den Rücken.
"Ganz ruhig atmen."
Als sie wieder einigermaßen zu Atem kam, fragte sie Mego: "Hast du...(hust) war das Feuer grün?"
"Nein. Aber es war lila. Genau wie grün, eine sehr merkwürdige Farbe für Feuer, doch lila ist hübscher. Warum fragst du?"
"Weil..."
Mal wieder kam Mr Pink in den Raum und rief: "Okay, es ist Zeit zu dem Ort zu fahren, den ihr noch weniger mögt, als diesen. Der Bus steht bereit und wartet nicht lange, doch glaubt ja nicht, dass ihr nicht zur Schule müsst, wenn ihr ihn verpasst."
In dieser Sekunde sprangen alle mehr oder weniger gleichzeitig auf und es gab ein unheimliches Gedränge, denn wenn Mr Pink sagte, dass der Bus nicht lange warten würde, hieß das immer, dass er in weniger als einer Minute weg war, wenn bis dahin noch niemand eingestiegen sein sollte.

"Ich verlor Mego aus den Augen und bekam ihn auch für den Rest des Tages nicht mehr zu Gesicht. Dummerweise hatte mich der erste Schultag so auf Trab gehalten, dass ich auch seinen Traum schnell wieder vergaß und mich nicht mehr weiter darum kümmerte. Schule ist die Hölle. Und dabei hatte ich sogar noch das Glück, im unbeachteten Beliebtheits-Mittelfeld zu sein. Ich war eine von den Schülern, die einfach nur da waren. Ich war weder besonders beliebt, noch gehasst. Fürs Erste. Das nächste Jahr flog ohne größere Vorkommnisse dahin. Zwischendurch versuchte Dennis uns immer wieder das Leben schwer zu machen, aber das tat er mit jedem. Man könnte sagen, dass unser Leben sich normalisiert hatte. Bis eines Nachmittags Hego aus der Schule kam."

Ein Mittwoch, im Herbst 1991.
Shego saß auf ihrem Bett und las ein Buch. Die Zwillinge lagen schlafend in ihrem Laufstall, als Mego zur Tür hereinkam.
Er fing sofort zu erzählen an: "Hey, Schwesterchen, du glaubst nicht, was mir..."
In diesem Moment betrat auch Hego das Zimmer und fiel seinem Bruder ins Wort.
"Ich glaubt nicht, was mir passiert ist!"
Shego warf ihr Buch auf dem Boden, und sprang in gespielter Freude auf dem Bett auf und ab.
"Oh Klasse, meine Brüder wollen mir gleichzeitig etwas erzählen, was mich garantiert nicht interessiert. Darauf freue ich mich schon den ganzen Tag."
"Das ist nicht nett, Shego", sagte Hego. "Du musst lernen, deinen Sarkasmus zu zügeln. So etwas ist mehr als unhöflich."
Shego setzte sich unbeeindruckt hin und versuchte, die zuletzt gelesene Seite in ihrem Buch wiederzufinden. Mego verschränkte seine Arme und tippte mit der Fußspitze auf dem Boden auf und ab.
"Weißt du, was auch unhöflich ist, Bruder? Anderen Menschen ins Wort fallen."
"Ich entschuldige mich dafür, aber das hier ist wichtig."
"Wie wichtig?"
"Wichtig genug, damit ihr mir absolute Geheimhaltung schwören müsst."
Mit diesen Worten schloss er die Zimmertür ab.
"Wird das jetzt wieder so eine Sache wie letztes mal, als du uns nur erzählt hast, das du in den Star des Cheerleaderteams verknallt bist, dich aber nicht traust, es ihr zu sagen?" fragte Shego.
"Nein, besser."
Er ging zu seinem Bett und stellte sich davor. Dann griff er mit einer Hand darunter - und tat nichts. Er murmelte einige unverständliche Dinge dahin und schien nervös zu sein, aber sonst passierte nichts.
"Mego?"
"Ja, Schwesterchen?"
"Ich hoffe, die Dummheit befällt nur den männlichen Teil unserer Familie."
"Mir egal, solange er mich nicht befällt."

"Mego und ich hatten vorerst keine Gelegenheit mehr, über Hego zu spotten. Denn plötzlich schien er sich daran zu erinnern, wie dass, was er uns zeigen wollte, funktionierte und hob mit nur einer Hand sein Bett hoch."

Während Hego das Bett mittlerweile mit nur einem einzigen Finger in der Luft hielt und seine Hand dabei von einem blauen Leuchten umgeben war, sagte Mego fassungslos zu seiner Schwester: "Oh. Zu spät, es hat mich schon erwischt."
"Aber wenn es dich beruhigt, ihr Männer müsst nicht alleine leiden."
"Du siehst es also auch."
"Meinst du, dass er ein Bett in die Luft hebt, als wäre es ein Luftballon oder dass dabei seine Hand glüht?"
"Beides."
"Ja, ich sehe es."
Hego warf das Bett locker von einer Hand in die andere, als ob es das normalste auf der Welt wäre.
"Cool, nicht wahr? Ist mir vor ein paar Wochen zum ersten mal passiert. Ich war alleine in der Sporthalle und habe Körbewerfen geübt. Ich war völlig frustriert, weil ich keinen einzigen Treffer landen konnte und plötzlich, ohne dass ich es geplant hatte, fing das Glühen an und ich warf einen Ball so hart, dass er ein Loch in der Decke verursachte. Dann habe ich versucht, das nochmal zuAAAAAAAAAAHH!!!"
Hego warf einen flüchtigen Blick ins Bett der Zwillinge und erschrak fast zu tode. Was er dort sah waren nämlich nicht zwei, sondern gleich sechs Babys. Durch den Schrecken verlor er das Bett und beim Versuch es wieder zu fangen, verpasste er ihm versehentlich einen kräftigen Schlag.

"Es flog direkt auf Mego und mich zu. Zu schnell um bewusst zu reagieren. Unter normalen Umständen hätten wir jetzt wohl unsere Eltern wiedergesehen. Zum Glück waren diese Umstände nicht normal."

Shego und Mego konnten vielleicht nicht bewusst reagieren, aber ihr Unterbewusstsein reagierte hervorragend. Im Bruchteil einer Sekunde fingen beide an zu glühen. Mego wich dem Wurfgeschoss aus, indem er blitzschnell auf Hamstergröße schrumpfte. Shego konnte nicht ausweichen. Sie schlug stattdessen abwehrend mit ihrer grünlich glühenden Hand aus und zerlegte das Bett so mit nur einem Schlag in seine Einzelteile. Danach war es still. Die Geschwister standen glühend im Raum und atmeten aufgeregt. Nur die Babys hatten davon nichts mitbekommen. Mittlerweile lagen sogar nur noch zwei von ihnen im Bett. Einige Sekunden später klopfte Mr Pink von aussen aufgeregt gegen die Tür. Dieser erneute Schock brachte Shego, Hego und Mego zur Besinnung und sie kehrten wieder in ihren nicht glühenden Normalzustand zurück. "Ist alles in Ordnung!? Hey! Sagt was!" rief Mr Pink von aussen. Mego öffnete die Tür. Mr Pink kam rein, sah die vielen Holzsplitter und war für einige wenige Sekunden sprachlos. Es kam nicht oft vor, aber es passierte schonmal. Wenn es passierte, hielt dieser Zustand aber nicht lange an. "Also, was ist passiert? Und sagt nicht, dass das Bett kaputt ist, denn das sehe ich selbst. Mich interessiert, wie das passiert ist."
"Mego ist drauf gesprungen und es ist zerbrochen", sagte Shego. "Er ist fett geworden."
Mr Pink zuckte nur mit den Schultern und sagte: "Okay. Jetzt muss er sich aber ein Bett mit einem von euch teilen. Diesen Monat haben wir kein Geld mehr für ein Neues. Schönen Tag noch."
Mr Pink drehte sich um kam an diesem Tag nicht mehr zurück.

Shego warf einen Blick auf die Uhr an der Wand. Es war schon fast Mittag.
"Habt ihr Hunger?"
"Ähm, ja, etwas", sagte Washington zögernd.
"Dann schalte mal für einen Moment die Kamera aus."
"Hab ich."
"Gut. Ich rufe den Zimmerservice. Bestellt euch was ihr wollt, das Essen geht auf mich. Jetzt kannst du die Kamera wieder einschalten."
Shego wusste nicht, dass Washington die Kamera gar nicht ausgeschaltet hatte. Und so war dieser einmalige Moment der Gastfreundschaft für immer festgehalten.