"Von da an ging alles sehr schnell. Wir mieteten uns für einen Abend eine Turnhalle und veranstalteten dort unser Casting. Auf unsere erste Anzeige hatten wir 75 Rückmeldungen bekommen. Wir erwarteten, dass um die 50 tatsächlich auftauchen würden und mit viel Glück ungefähr 15 brauchbare Bewerber darunter wären. Es kamen dann aber doch ein paar Leute mehr."
"Was bitte sehr wollen die alle hier?" fragte Shego, als sie durch einen Türspalt hindurch die immer voller werdende Tribüne beobachtete.
"Ich habe mich mal umgehört," sagte Tyler. "Es ist wohl irgendwie durchgesickert, dass du mit all dem hier etwas zu tun hast. Und es scheint wohl tatsächlich eine größere Gruppe motivierter Nachwuchs - Superschurken zu geben, die dich und dein Lebenswerk für sehr inspirierend halten. Alle wollen bei deinem Comeback dabeisein."
"Wenn du 'alle' sagst, wie viele meinst du, mein Sohn?"
Nach einem kurzen Blick auf ein Klemmbrett, antwortete er: "142. Plus ein paar Freunde und Verwandte einiger Teilnehmer."
"Na das wird ja spaßig werden."
In dem Moment betrat Quint das Hinterzimmer der Turnhalle.
Aufgeregt rief sie: "Hast du auch nur eine Ahnung, wie viele Menschen da auf der Tribüne sitzen?"
"Nein, tut mir leid. Aber wie viele können es schon sein? 142? Plus ein paar Freunde und Verwandte einiger Teilnehmer?"
Überrascht von der präzisen Antwort riss Quint die Augen weit auf. Dann fiel ihr Blick auf das Klemmbrett in Tylers Händen. Als sie wieder Shego ansah, grinste diese nur.
"Er hat es dir schon gesagt."
"Ja, hat er. Wo sind die drei Trottel?"
"Die sitzen schon am Tisch."
"Wollen wir dann?" fragte Tyler mit einem Blick auf die Uhr.
"Okay."
"Klar."
Von einer unerwarteten Nervosität gepackt, machte sich das Trio aus Mutter, Sohn und bester Freundin auf den Weg in die Halle. Schon durch die Tür hindurch konnten sie das Gemurmel, der auf der Tribüne sitzenden Menschenmenge hören. Doch kaum schritt Shego durch die Tür, wurde es schlagartig ruhig.
"Immerhin scheinen sie diszipliniert zu sein," flüsterte Tyler seiner Mutter zu.
"Oder einfach nur sehr leicht abzulenken." Sie erhob ihre Stimme und wandte sich an die Kandidaten. "Also, da ich eure Aufmerksamkeit habe, lasst mich eines gleich klarstellen! Wenn ihr die Anzeige gelesen habt, wisst ihr, dass wir hier nur Handlanger suchen! Und ich meine wirklich nur Handlanger! Ihr werdet nicht von mir persönlich ausgebildet und habt nur dann eine Chance auf eine größere Karriere, wenn ich oder einer meiner Mitstreiter sich tatsächlich mal die Mühe machen, euch zu beachten! Abgesehen davon werdet ihr ganz gut bezahlt! Aber jeder, der nicht damit einverstanden ist, einfach nur Befehle zu befolgen und zu unserer Zufriedenheit auszuführen oder glaubt, dass dieser Beruf aufregender und abwechslungsreicher sei, als er ein Wirklichkeit ist, sollte seinen Blick jetzt am besten auf diese Seite der Turnhalle richten!" Sie zeigte auf eine Tür, rechts von ihr. "Dort befindet sich nämlich der Ausgang und es wäre besser für uns alle, wenn all die, die sich angesprochen fühlen, genau diesen jetzt benutzen und aufhören unsere Zeit zu verschwenden. Schönen Tag noch."
Nach einigen Sekunden peinlichen Schweigens, standen die ersten paar Menschen zögerlich auf und gingen zum Ausgang. Langsam schlossen sich ihnen immer mehr an, bis die Gruppe der Kandidaten auf etwas mehr als die Hälfte zusammengeschrumpft war.
Shego setzte sich zu Quint, Tyler, Vinnie, Junior und Big Mike an den, mit einem neutralen, weißen Tischtuch bedeckten Tapeziertisch, der mitten in der Halle aufgestellt wurde.
"Und schon haben wir viel weniger Arbeit," sagte sie leise zu ihnen.
Plötzlich rief jemand etwas von der Tribüne hinab.
"Ich hätte da eine Frage!"
"Mir kam die Stimme gleich bekannt vor. Hauptsächlich aber ihres starken Akzents wegen."
"Wer war das?" fragte Shego und versuchte, den Zwischenrufer auszumachen.
"Hier! Ich!" rief ein braungebrannter, muskulöser und trotz seines nicht mehr wirklich jungen Alters noch erstaunlich frisch wirkender Latino und winkte übertrieben mit einer Hand.
"Bist du das, Junior?"
"Was? Nein, ich bin hier," sagte Junior, zwei Stühle weiter rechts von Shego entfernt.
"Ach, doch nicht du. Der andere Junior!"
"Ja, ich bin es," rief Senor Senior Junior von der Tribüne.
Mit einem erfreuten Lächeln im Gesicht sprang Shego von ihrem Stuhl auf.
"Das ist ja eine Ewigkeit her! Wie geht es dir?"
"Es gab immer wieder Gerüchte, dass da etwas zwischen uns beiden gelaufen sein soll. Aber ich kann euch versichern, da war nichts. Ich schätzte an ihm, dass er unter den richtigen Umständen ein durchaus fähiger Schurke sein konnte und auch tatsächlich auf das hörte, was ich ihm sagte. Obwohl er natürlich auch durchaus hübsch anzusehen war und wirklich charmant sein konnte."
"Ach, es geht so. Hab schon bessere Tage gesehen, aber immerhin habe ich noch mein gutes Aussehen und die perfekte Frau an meiner Seite."
"Welche Seite?"
Er sah nach links und rechts und antwortete: "Ich vergaß. Sie wartet in der Limousine. Sie fand, dass eine stinknormale Turnhalle unter ihrem Niveau sei, womit sie ja auch irgendwie Recht hat."
"Was wolltest du vorhin fragen?"
"Fragen? Ich?"
"Ja, du erwähntest etwas von einer Frage."
"Ach ja, stimmt. Ich wollte fragen ob ich, weil wir uns ja schon länger kennen, vielleicht für einen besseren Job, als nur 'Handlanger' vorsprechen darf."
Shego strich sich nachdenklich über ihr Kinn.
"Weisst du was? Das besprechen wir gleich. Wir fangen jetzt erstmal mit dem normalen Casting an, in Ordnung?"
"Ist gut, aber ich hoffe, es dauert nicht zu lange. Meine Bonnie und ich haben heute Abend noch etwas vor."
"Darauf kann ich leider keine Rücksicht nehmen," seufzte Shego, "aber sag Bescheid wenn du gehen musst. Dann kläre ich dein Anliegen mit dir." Dann klatschte sie einmal in die Hände und nahm erneut auf ihrem Stuhl Platz. "Also, fangen wir an. Wer ist der Erste auf der Liste?"
Tyler warf einen Blick auf sein Klemmbrett und verlas den ersten Namen: "Arnold Aaronson! Kommen sie bitte runter, falls sie noch hier sind!"
Ein riesiger Muskelprotz im Unterhemd, mit einem kahlrasierten Schädel und einem Stacheldraht-Tattoo um den Hals, ging langsam von der Tribüne auf die "Juroren" zu.
"Also Arnold," sagte Shego trocken, " du willst also ein Handlanger für uns werden."
"Yo," antwortete er mit einer tiefen Stimme.
"Warum sollten wir dich nehmen?"
Erst zuckte Arnold nur ratlos mit den Schultern. Eine Sekunde später schien ihm aber doch noch ein guter Grund eingefallen zu sein.
Er spannte seine Muskeln an und sagte: "Ich bin stark."
Völlig unbeeindruckt sagte Shego: "Ja, das können wir sehen," und kreuzte "stark" auf einem Bewertungsbogen an.
"Und ich haue gerne Menschen."
"Aha."
"So wie den da!" Er starrte Tyler mit weit aufgerissenen Augen an. "Der hat doofe Ohren!" Während Tyler ganz langsam mit seinem Stuhl einige Zentimeter nach hinten rückte, schien sich Arnold zu beruhigen und sagte mit einem sanften Lächeln im Gesicht: "Ist aber nicht persönlich."
"Kein Problem. Ha-habe ich nicht so aufgefasst."
Shego legte ihren Stift beiseite und sah dem Muskelmann in die Augen.
"Arnold, hol mir mal bitte etwas Wasser."
"Hö?" antwortete dieser nur.
"Ich habe Durst. Da hinten steht ein Wasserspender. Mach schon."
"Ich bin doch nicht ihr Wasserholer."
"Und mein Handlanger wirst du auch nicht werden, wenn du noch nichtmal so simple Befehle ausführen kannst. DER NÄCHSTE!"
So abserviert zu werden, machte Arnold wieder wütend. Er krempelte seine Ärmel hoch, nicht realisierend, dass er ein ärmelloses Unterhemd trug und stürmte auf die Jury zu.
"So lass ich nicht mit mir..." sagte er noch, bevor ein grünes Licht auf ihn zukam und er sich kurz darauf in einem neu entstandenen Loch, in der Wand hinter ihm wiederfand.
"Die weiteren Kandidaten waren viel freundlicher. Keine Ahnung, warum. Wie erwartet taugten einige von ihnen mehr als andere. Im Großen und Ganzen konnten wir aber mit dem Ergebnis zufrieden sein. Doch als wir den letzten Teilnehmer unter die Lupe nahmen, nahm der Abend einige unerwartete Wendungen."
"George Zyxpic!"
Der, neben dem noch immer geduldig wartenden Senor Senior Junior, letzte Mann auf der Tribüne, stand auf und ging zur Jury.
Shego betrachtete den schmächtig wirkenden George skeptisch und fragte: "Was hast du uns zu bieten?"
"Erkennen sie mich denn nicht, Shego?"
Sie sah sich ihr Gegenüber nochmal ganz in Ruhe an und sagte daraufhin: "Nicht...dass...ich...wüsste."
"Wir haben mehrere Jahre zusammengearbeitet! Ich war Handlanger bei Dr. Drakken!"
"Dann kann ich jetzt schon mit Sicherheit sagen, dass du nicht qualifiziert bist. Verschwinde. Junior, kommst du bitte?"
"Ich sitze nur zwei Stühle weiter! Wie oft soll ich das denn noch sagen?"
"Nicht du. Der andere Junior!"
"Ich komme schon!"
George zuckte gleichgültig mit den Schultern.
"Schade. Ich hatte gehofft, wir könnten vielleicht noch ein bisschen reden. Der alten Zeiten wegen."
"Ich habe gar keine Ahnung, wer du bist! Drakkens Handlanger hatten immer diese dummen Uniformen mit den Masken auf und im Endeffekt wart ihr mir alle auch egal!"
"Naja, kann man wohl nichts machen. Schönen Abend noch!"
George drehte sich um und ging fröhlich pfeiffend zum Ausgang. Aber nach nur ein paar Schritten, rief Shego ihm etwas hinterher.
"Halt, warte mal!" Er blieb stehen und drehte sich um. "Wie geht es ihm!?"
"Wem?"
"Na, Dr. Drakken?"
"Sie kennen ja den Doktor. Der kommt immer klar. Aber als sie vor Jahren einfach so verschwunden sind, hat ihn das schon so richtig fertig gemacht. Und irgendwie war ab dann etwas die Luft raus, wenn sie verstehen. Er versuchte zwar noch die Welt zu erobern, aber wir hatten alle den Verdacht, dass er mit dem Herzen nicht mehr bei der Sache war."
"Aha," sagte Shego leise und sah nachdenklich auf den Boden. Einen Moment später erhob sie ihren Blick und setzte ein erzwungenes Lächeln auf. "Und jetzt verschwinde."
"Ist gut. War schön, sie mal wiederzusehen!"
Mit diesen Worten drehte sich George um und verließ die Turnhalle.
"Da fühlte ich plötzlich die Blicke der Anderen um mich herum. Sie dachten sich ihren Teil dazu. Schließlich war ja bekannt, dass Drakken und ich ein Paar waren, aber es wurde nie geklärt, warum ich ihn verließ. Zum Glück holte mich Junior aus dieser peinlichen Situation heraus. Senor Senior Jr. Nicht der Andere."
"Also Shego, um nochmal auf meine Frage zurückzukommen..."
"Ach ja. Warum willst du überhaupt bei uns anfangen?"
"Ich habe meinem Vater versprochen, ein richtiger Schurke zu werden. Was soll ich machen?"
"Stimmt. Dein Vater. Herzliches Beileid, übrigens. Hab gehört, dass er vor einer Weile gestorben ist."
"Danke, aber er ist nicht tot."
"Nein, natürlich nicht," seufzte Shego, fest entschlossen ihm Gewalt anzutun, sollte er jetzt so etwas kitschiges behaupten, wie dass sein Vater in seinem Herzen für immer weiterlebt.
"Du weisst davon?"
"Wovon?"
"Von..." Er senkte seine Stimme und näherte sich Shego. "Von der Insel."
"Nein, davon weiss ich nichts, aber du hast meine Aufmerksamkeit."
Er hatte auch die, von Shegos Freunden und Geschäftspartnern. Sie standen von ihren Stühlen auf und versammelten sich um Junior.
"Er hat sich nur zur Ruhe gesetzt," erklärte er mit seinem markanten Akzent. "So ein Wissenschaftler hat einen Weg gefunden, sein Leben um mindestens 40 weitere Jahre zu verlängern."
Ein erstauntes "Oooooooh" ertönte aus der Gruppe um ihn herum.
"Aber er hat beschlossen, von nun an mehr im Hintergrund zu operieren. Also hat er sich eine kleine Insel gekauft, alle glauben lassen er sei tot und mich in die Welt hinausgeschickt, um Erfahrungen zu sammeln. Aber bitte behaltet das für euch."
"Kein Problem, aber erzähl uns später bitte mehr über diese Lebensverlängerung."
Juniors Augen begannen zu leuchten.
"Bedeutet das, ich habe den Job?"
Shego drehte sich fragend zu ihren Geschäftspartnern.
"Nun, ich kann nicht einfach so eine Extrawurst vergeben, ohne die Anderen zu fragen."
"Stell ihn ein! Der sieht lecker aus!"
"Das hast du laut gesagt, Quint."
"Ups."
"Was meinen die Anderen?"
Junior - der Blonde - zuckte nur mit den Schultern.
"Du kennst ihn besser als wir. Stell ihn ein, wenn du meinst, dass er etwas draufhat."
Der Rest der Truppe nickte zustimmend. Quint vielleicht sogar etwas mehr als die Anderen.
Shego drehte sich wieder um und klopfte Junior - Senor Senior - freundschaftlich auf die Schulter.
"Also Junior, dann bist du ab jetzt mein persönlicher Praktikant."
"Praktikant? Aber jetzt bin ich doch in der Chefetage! Warum degradierst du mich? Warum tust du mir das an?"
"Nicht du, Junior. Dieser Junior hier! Ich glaube einer von euch muss sich früher oder später einen anderen Rufnamen zulegen."
"Ich nicht!" riefen die beiden Juniors gleichzeitig.
"Und bevor das Ganze noch weiter ausarten konnte, kam schon die nächste, unerwartete Wendung."
Ein schriller, schnell näherkommender Schrei ertönte von oben. Aus dem Luftschacht an der Turnhallendecke, hatte sich eine Bodenplatte gelöst. Durch dieses neu entstandene Loch fiel ein blonder Mann in die Tiefe. Glücklicherweise landete er auf einem zufälligerweise direkt darunter abgestellten Trampolin. Dies rettete ihm zwar das Leben oder zumindest seine Knochen, doch er landete in einem derart unglücklichen Winkel darauf, dass er im hohen Bogen durch die Halle segelte und schließlich direkt auf Shego landete.
Jetzt, wo sein Gesicht nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt war, erkannte sie den Eindringling sofort.
"Hallo, Stoppable. Immer noch leichte Schwierigkeiten mit der Gravitation, wie ich sehe. Wärst du so nett und würdest von mir heruntersteigen?"
"Das versuche ich schon die ganze Zeit, aber wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, du hältst mich fest. Nein, ich glaube, du machst das tatsächlich und zwar mit voller Absicht. Kim! Hilf mir! Sie tut mir weh! Au! Au! AU!"
Kim Possible seilte sich elegant aus dem Luftschacht ab.
"Komm schon, Shego. Lass ihn los."
"Ich halte ihn doch gar nicht fest," antwortete sie und drückte noch einmal ihre Fingernägel in Rons Arm, bevor sie ihn von sich wegstieß. "Lange nicht gesehen, Kimmie."
Senior Jr. winkte ihr mit einem Lächeln zu. Vinnie, Big Mike und der andere Junior versuchten hingegen ganz unauffällig ihre Gesichter aus dem Blickfeld ihrer ehemaligen Mitschüler zu halten. Quint und Tyler lehnten sich einfach zurück und genossen die Show.
"Das selbe könnte ich von dir auch sagen. Du warst ja für eine sehr lange Zeit völlig unauffindbar."
Mit einem Sprung stand Shego wieder auf den Füßen.
"Das lag daran, dass ich nicht gefunden werden wollte."
"Und jetzt willst du es wieder?"
"Sagen wir mal, es ist mir egal, wer von meiner Rückkehr erfährt. Denn früher oder später wird es die ganze Welt wissen."
"Du planst also schon wieder etwas?"
"Noch nichts konkretes. Aber wenn ich soweit bin, erfährst du es zuerst."
"Ganz bestimmt."
"Dann darf ich jetzt dich und dein Helferlein..."
"Schrägstrich Ehemann!" rief Ron dazwischen.
"HELFERLEIN höflich auffordern zu gehen. Wir haben diese Turnhalle für heute Abend ganz legal gemietet und ihr wart nicht eingeladen. Aber mein Auto steht draussen. Wenn du willst, kannst du das Rücklicht kaputtschlagen und mir dann einen Strafzettel deswegen ausstellen."
Ron, der nach all den Jahren immer noch wie eine halbe Portion wirkte, plusterte sich empört auf. "Solche Methoden sind wohl eher dein Gebiet. Komm Kim, wir gehen."
Shego täuschte ein Gähnen vor.
"Was für eine schlagfertige Antwort."
Während Ron schon fast draussen war, nahm sich seine Frau noch einige Sekunden Zeit, um sich mit den Neulingen bekannt zu machen.
"Hallo, Kim Possible. Schön sie kennenzulernen," sagte sie, während sie Quint die Hand schüttelte. "Vermutlich werden wir uns demnächst öfter sehen." Als ihre Erzfeindin Tyler die Hand reichte, ballte Shego ihre Fäuste und entflammte diese für einen kurzen Moment. "Tut mir leid, dass wir uns heute nur flüchtig begegnen." Dann erreichte Kim ihre ehemaligen Mit-Nachsitzer, die immer noch ihre Gesichter zu verstecken versuchten. "Ich weiss, dass ihr es seid, Jungs."
Big Mike kam hinter seiner riesigen Hand hervor.
"Oh, hey Kim."
"Also ehrlich, ich bin so enttäuscht von euch. Als ihr mit dem Flum Milliarden verdient habt, war ich froh, dass doch noch etwas aus euch wurde. Aber nun macht ihr so etwas?"
Die Drei senkten ihre Häupter und murmelten: "Entschuldigung."
"Nicht entschuldigen!" rief Shego. "Könnt ihr überhaupt etwas richtig machen!?"
"Kommst du jetzt endlich, Kim!?"
"Ja, bin schon da, Hase! Bis dann, Junior!"
"Wiedersehen, Kim!" riefen ihr die zwei Juniors im Chor hinterher.
Kaum hatten die beiden Eindringlinge die Tür hinter sich geschlossen, atmete Shego tief durch und massierte ihre Schläfen.
"Nach zwei Jahrzehnten gehen mir die zwei immer noch genau so auf die Nerven, wie am ersten Tag."
"Das war also Kim Possible?" fragte Tyler.
"Ja, das war sie."
Mit einem lauten Knall trat ein weiterer, ungebetener Gast die Eingangstür auf: Bonnie Senior-Rockwaller.
"War das Kim Possible!?" rief sie, während sie wütend in die Turnhalle stampfte.
Ihr Ehemann kam ihr entgegen und nahm sie in den Arm.
"Ganz recht, mein Zuckerherz. Doch hab keine Angst, sie hat nur mal vorbeigeschaut um 'Hallo' zu sagen."
"Angst? Ich habe keine Angst! Ich bin wütend! Warum muss sie sich immer überall einmischen? Ich kann sie einfach nicht ausstehen!"
"Mit dieser Aussage weckte sie mein Interesse."
"Wie lange kennst du sie schon?"
Bonnie musterte Shego von oben bis unten.
"Sie sind doch diese Shego, oder? Haben sie meinen Mann eingestellt?"
"Ja habe ich."
Quint flüsterte Tyler ins Ohr: "Gut, ist er eben verheiratet, aber das ist für mich kein Hindernis, sondern eine Herausforderung."
"Zuviel Information."
"Werde endlich erwachsen."
"Also, wie lange kennst du Kim Possible schon?" fuhr Shego fort.
"Seit der High-School."
"Und seitdem bist du kein Stück gealtert!" rief Vinnie dazwischen.
Und er hatte Recht. Dank Unmengen an Schönheitsoperationen, die sie mit Hilfe ihres angeheirateten Vermögens bezahlen konnte, sah sie noch genau so aus wie auf der High School.
Shego fragte weiter.
"Und warum hasst du sie so sehr?"
"Ach weil sie immer so gut ist und nett und immer die Beste sein will und...ich hasse sie einfach."
Ihr Mann drückte ihr einen Kuss auf die Wange.
"Aber immerhin hat sie uns beide miteinander bekanntgemacht."
"Und wenn schon. Dann hat sie mir eben einen einzigen Gefallen getan. Trotzdem kann ich sie nicht ausstehen."
Ein breites Grinsen zeichnete sich auf Shegos Gesicht ab.
"Sag mal, hättest du Interesse an einem Job?"