"Jetzt hatten wir zwar das wichtigste Puzzlestück um unseren Plan durchzuführen, aber es war noch viel zu früh um die Champagnerkorken knallen zu lassen. Denn nun folgte die schwierigste Phase eines jeden bösen Plans. Sich nicht erwischen lassen, bevor man überhaupt angefangen hat!"
Shego fuhr mit dem Fahrstuhl vom obersten Stockwerk des Bergverstecks in den Keller. Die ohnehin schon sehr lange Fahrt wurde in der 45. Etage unterbrochen, als Tyler hinzustieg.
"Hallo Mama. Zu dir wollte ich gerade."
"Was gibt's denn?"
"Ach weisst du, versteh mich bitte nicht falsch, ich vertraue dir, aber wie willst du verhindern...ich meine, ich vertraue dir wirklich..."
"Ja, das sagtest du schon."
"Aber, naja, du weisst schon."
"Drakken und ich wurden immer erwischt."
"Äh...ja."
"Gut, dass du fragst," sagte Shego lächelnd. "Wenn du mit nach unten kommst, zeige ich es dir."
Der Fahrstuhl hielt erneut. Diesmal im 31. Stockwerk. Dr. Drakken betrat den Lift.
"Oh, hallo Shego. Zu dir wollte ich gerade." Dann warf er einen verächtlichen Blick zu Tyler und murmelte lustlos: "Hallo, du."
"Mittlerweile war es schon so etwas wie ein offenes Geheimnis, dass Tyler mein Sohn war. Niemand sprach darüber, aber die Meisten wussten es. Drakken wusste es natürlich nicht. Er gehörte schon immer zu den Letzten, die Neuigkeiten erfuhren."
"Was gibt's denn?" fragte Shego.
"Ach weisst du, versteh mich bitte nicht falsch, ich vertraue dir, aber wie willst du verhindern...ich meine, ich vertraue dir wirklich..."
"Ich glaube zu wissen worauf du hinaus willst."
"Im Ernst?"
"Ja, wir wurden früher immer erwischt, aber wenn du mit in den Keller kommst, zeige ich dir, wie ich das verhindern will."
Auf der 14. Etage hielt der Fahrstuhl erneut. Vinnie, der blonde Junior und Big Mike stiegen ein.
"Ich ließ alleine wegen Big Mike einen extragroßen Fahrstuhl einbauen. Schon für Momente wie diesen hatte es sich ausgezahlt."
"Hey, ihr alle," begrüßte Junior die Mitfahrer. "So ein Zufall aber auch, wir..."
Shego fiel ihm ohne zu zögern ins Wort.
"Ihr wolltet zu mir? Ihr vertraut mir wirklich und ich soll es bitte nicht falsch verstehen, aber Drakken und ich wurden früher immer erwischt und ihr wollt wissen was ich dagegen zu tun gedenke?"
"Ach, eigentlich nicht," brummte Big Mike. "Wir wollten uns was vom Pizzaservice kommen lassen und fragen ob ihr auch etwas wollt. Aber jetzt will ich erstmal wissen, was sich da im Keller befindet."
"Ich auch."
"Warum nicht? Solange es schnell geht. Ich habe heute noch nichts gegessen."
Endlich kam der Fahrstuhl im Keller an.
"Folgt mir," sagte Shego und ging den Flur entlang.
Sie blieb vor einer unscheinbar und ziemlich alt aussehenden Holztür stehen und zog einen Schlüssel aus ihrer Hosentasche. Zur Überraschung ihres Gefolges verbarg sich hinter der wurmstichigen, alten Tür eine weitere, sehr massiv wirkende Stahltür.
"Also das habe ich jetzt echt nicht kommen sehen," sagte Vinnie staunend.
Drakken lächelte schief.
"Nun, ich hatte so eine Ahnung."
Shego steckte eine Schlüsselkarte in einen Schlitz neben dem Türgriff und tippte eine achtstellige Zahlenkombination in die Tastatur darunter. Ein "Piep", ein "Klick" und ein "Wusch" ertönten daraufhin und die Tür öffnete sich.
"Meine Herren," sagte sie als sie den Raum dahinter betrat, "begrüßt die Computerfuzzies!"
Der Rest der Truppe betrat den abgedunkelten Raum, der mit dutzenden von verschieden großen Monitoren und allem möglichen an High Tech Equipment vollgestopft war, sah sich einige Sekunden erstaunt um und sagte schließlich im Chor: "Hallo Computerfuzzies."
Die fünf "Computerfuzzies" wandten sich kurz von ihren Monitoren ab und antworteten: "Wir grüßen sie."
"Wisst ihr," sagte Shego, "wir leben in einer computerisierten Welt und Kim Possible hatte immer Hilfe von ihrem Computerfuzzie, wenn es darum ging uns aufzuspüren."
"Habt ihr den in letzter Zeit mal gesehen?" flüsterte Drakken in die Runde. "Der ist ein Riese geworden!"
"Also habe ich gleich fünf der besten Computerfuzzies der Welt engagiert, um uns quasi unsichtbar zu machen," fuhr Shego fort.
Sie tippte einem von ihnen, einen mittelgroßen, übergewichtigen, blonden Lockenkopf auf die Schulter. Reflexartig sprang er von seinem Stuhl auf und begann zu erklären.
" Mit Hilfe der wirklich hervorragenden Technologie, mit der man uns hier ausgestattet hat, überwachen wir den weltweiten Datentransfer. Internet, Telefon, Fernsehen, sogar Funkverkehr. Unsere Computer haben ihre Ohren in jeder Leitung, jeder Antenne, jedem Satelliten. Natürlich nur im übertragenen Sinne. Computer haben gar keine Ohren. Aber das ist egal. Wir beobachten zumindest jede verdächtige Bewegung der einschlägigsten Gesetzesvollstrecker. Sollten zum Beispiel Kim Possible, Globale Gerechtigkeit oder vielleicht auch nur die lokale Polizei auf dem Weg hierher sein, erfahren wir früh genug davon um den Laden zu räumen. Als zusätzliches Plus manipulieren wir übrigens auch noch sämtliche Satellitenbilder dieses Gebiets, so dass es selbst mit einer hochauflösenden Thermoabtastung aussieht, als wäre dieses Gebäude vollkommen verlassen. Solange niemand persönlich nachsieht, existieren wir für diese Person an diesem Ort gar nicht."
Beeindrucktes Schweigen füllte den Raum.
"Klingt gut für mich," sagte Drakken schließlich. "Aber..."
"Ich weiss genau was du sagen möchtest. Was ist, wenn etwas schiefgeht und Kim Possible plötzlich doch völlig unerwartet auf der Matte steht? Dann können wir eben nur das tun, was wir immer machen und versuchen sie zu bekämpfen. Doch da wir alle wissen dass dabei unter Umständen das komplette Gebäude zerstört werden kann, habe ich beschlossen die Arbeit an unserem aktuellen Projekt an einen weniger kostspieligen Ort auszulagern. Bitte folgt mir. Computerfuzzies, weitermachen."
Shego führte die kleine Gruppe in den Nebenraum, welcher eine erstaunliche Ähnlichkeit mit einem U-Bahnhof hatte. Nur sauberer.
"Wow, ist das neu?" fragte Tyler.
"Dieser Teil hier nicht," antwortete seine Mutter und drückte auf einen grünen Knopf an der Wand.
Dadurch leuchtete an einer Anzeigetafel die Nachricht "Bahn kommt" auf.
"Wie sich herausstellte besaß dieses Versteck ein nie fertiggestelltes Untergrundbahn-System. Der Bahnhof war komplett, nur die Schienen führten nirgendwo hin. Das heisst, bis jetzt. Bitte Vorsicht an der Bahnsteigkante."
Eine hochmodern aussehende Bahn fuhr in den Bahnhof ein. Die Türen öffneten sich und die Fahrgäste traten ein. Während der Zug sich in Bewegung setzt, erzählte Shego weiter.
"Im Moment hat dieser Zug nur zwei Stationen. Die, in der wir gerade waren, unter unserem Hauptquartier und die, zu der wir jetzt fahren." Die Bahn wurde spürbar langsamer. "Und da sind wir auch schon."
"Das war aber eine kurze Fahrt," sagte Drakken und stellte damit das Offensichtliche fest.
Die Mitfahrenden stiegen aus und befanden sich in einem dunklen und muffig riechendem Raum.
"Hey, diesen Mief kenne ich doch," sagte Vinnie.
Junior schnüffelte nachdenklich in der Gegend herum.
"Ja, der kommt mir auch bekannt vor. Riecht wie...unser alter Keller."
"Das ist euer alter Keller! Ich habe euer ehemaliges Haus gekauft und als U-Bahnhof zweckentfremdet," sagte Shego grinsend, während sie die Kellertreppe hinauf lief. "Aber das ist noch nicht wirklich, was ich euch zeigen will."
Das Haus war oberhalb des Kellers noch genau so, wie seine vorherigen Bewohner es verlassen hatten. Abgesehen von dem einen oder anderen Stück Abfall auf dem Boden, war es leer.
"Ich habe mir irgendwie etwas spektakuläreres erhofft," stöhnte Drakken.
"Das kommt noch. Wir müssen ein Haus weiter. Es wäre doch irgendwie dumm wenn man versucht etwas geheim zu halten, dann aber eine U-Bahn von seinem Hauptquartier aus, genau dorthin fahren lässt."
"Ein Haus weiter, sagst du?"
"Ganz recht, Tyler. Unser altes Haus hat jetzt auch eine andere Funktion."
Während des kurzen Fußmarsches zum Nachbarhaus, überlegte Drakken hart, warum Shego es ihrem Assistenten gegenüber als "unser altes Haus" bezeichnete. Er kam zu dem Schluss, dass wenn man schon über einen persönlichen Assistenten verfügt, ihn am besten den ganzen Tag in seiner Nähe hat und es nichts verwerfliches daran gebe. Schließlich lebte er auch jahrelang mit Shego und seinen Handlangern unter einem Dach.
"Das Haus hat den perfekten Standort für illegale Operationen," erklärte Shego kurz vor ihrer alten Unterkunft. "Die Rückseite ist direkt an einer Schlucht, was bedeutet, dass man erst nach einer komplizierten Kletterpartie dort hinein kommt. Und die Vorderseite ist eine lange, offen gelegene Straße ohne Schutz. Man sieht schon von weitem, wenn sich jemand nähert." An der Haustür angekommen, tippte Shego erneut einen Zahlencode ein, um auch diese Tür zu öffnen. "Und hier drin befindet sich nun oh nein, nein, nein, kann mir bitte irgendjemand erklären was das zu bedeuten hat!?"
Das öffnen der Tür brachte die Personen auf beiden Seiten in eine peinliche Situation. Denn völlig egal was Shego eigentlich präsentieren wollte, alle Augen ruhten stattdessen schockiert auf Quint und Motor Ed, die in einer liebevoll aussehenden Umarmung auf dem Boden vor dem Kamin lagen.
"Ich mag diesen Satz nicht, weil er so ein unglaublich abgestandenes Klischee ist, aber das ist nicht das, wonach es aussieht," sagte Quint.
Motor Ed fügte zur Sicherheit noch ein "Echt jetzt" hinzu.
"Bevor ihr hier hereinkamt, bat Ed mich den Werkzeugkasten aus dem obersten Regal zu holen."
"Echt jetzt."
"Also bin ich auf die Leiter gestiegen und habe den Kasten geholt. Weil der aber etwas schwerer war als erwartet, musste ich ihn mit Schwung aus dem Regal ziehen."
"Echt jetzt."
"Dabei hatte ich dann aber zu viel Schwung drauf und verlor das Gleichgewicht auf der Leiter."
"Echt jetzt."
"Zum Glück hat Ed das aber rechtzeitig gesehen und mich aufgefangen."
"Echt jetzt."
"Dabei hat er aber selber das Gleichgewicht verloren und wir sind hier gemeinsam auf dem Boden gelandet."
"Echt jetzt."
"Und dann standet ihr plötzlich da."
"Echt..."
"Ja ja, echt jetzt."
Shego sah das auf dem Boden verstreute Werkzeug neben der umgefallenen Leiter. Dann warf sie einen Blick auf das vermeintliche Pärchen am Boden und zuckte gleichgültig mit den Schultern.
"Gut, ich glaube euch ausnahmsweise mal. Also, was habt ihr mir sonst zu berichten?"
Quint sprang auf und klopfte sich den Staub von der Kleidung.
"Also so wie ich das verstanden habe, ist die Rakete fast fertig."
"Muss nur noch ein paar Feineinstellungen vornehmen, echt jetzt." Ed stand langsam auf und ging in den Nebenraum. "Los, kommt mit in die Werkstatt."
"Da war doch früher die Küche," flüsterte Tyler seiner Mutter zu.
"Ja, ich habe ein paar Modifikationen vornehmen lassen. Dieser Raum ist eigentlich der einzige in diesem Haus, der noch genau so aussieht, wie vorher."
Tyler wusste nicht genau, was er sich unter "ein paar Modifikationen" vorstellen sollte, aber als er durch den Kücheneingang schritt und anstelle des Kühlschrankes und der Spüle eine Stahltreppe zu einem drei Stockwerke tiefen Hangar vorfand, bekam er eine klare Vorstellung.
"Also hier hast du mit...dem da zusammen gelebt?" fragte Drakken. "Sehr gemütlich."
"Ach, sei nicht albern. So sah das natürlich nicht immer aus."
Stolz präsentierte Motor Ed seine Rakete.
"Wie findet ihr sie? Ist sie nicht der Hammer? Echt jetzt."
"Doch, ist ganz nett. Aber das Flammenmuster hätte wirklich nicht sein müssen."
"Oh doch! Wenn wir alleine im Universum wären, würde ich dir ja zustimmen, aber da einwandfrei bewiesen wurde, dass es Ausserirdische gibt, sollten wir unsere Raketen doch etwas aufmotzen. Oder wollt ihr, dass die Erde als der lahmste Planet des unendlichen Weltalls in die Geschichte eingeht? Echt jetzt."
"Ach, mach doch was du willst," stöhne Shego. "Hauptsache du bleibst im Zeitplan und was am wichtigsten ist, es funktioniert. Apropos Zeitplan und funktionieren. Dr. D?"
"Was?"
"Wie weit bist du mit dem Satelliten und dem Laser?"
"Ich bin fertig, wenn er fertig ist."
"Ausgezeichnet. Also können wir heute Abend loslegen?"
"Klaro," sagte Ed stolz, während sein Cousin mit einem eher zögerlichen "Jaaaaaa" antwortete.
Shego klatschte einmal enthusiastisch in die Hände.
"Dann lasse ich euch mal alleine. Und wenn ihr es doch nicht bis heute Abend schaffen solltet, sagt rechtzeitig Bescheid. Ich werde unglaublich wütend sein und euch die Hölle heiß machen, aber nicht annähernd so sehr, als wenn ich erst in der letzten Sekunde davon erfahre. Wir sehen uns heute Abend."
Während Drakken eiligst ins Nachbarhaus rannte, um die U-Bahn zum Versteck zu nehmen und so schnell wie möglich seinen Satelliten fertigstellen zu können, blieb Tyler vor dem Haus stehen, in dem er seine Jugend verbrachte. Er warf einen melancholischen Blick auf North Southeastwestington hinab.
"Was ist?" fragte ihn seine Mutter.
"Ich überlege mir gerade ob die Einwohner es uns übel nehmen werden, wenn wir von ihrer Stadt aus eine Rakete ins All schießen, um damit die Weltherrschaft zu übernehmen."
"Hoffentlich nicht. Ansonsten muss ich tatsächlich Plan B starten und der wird uns schon wieder einen ganzen Haufen Geld kosten."
"Was ist denn Plan B?"
"Jedes einzelne Grundstück in der Stadt aufkaufen, diejenigen dort weiter wohnen zu lassen, die sich dazu entschließen unsere Pläne zu dulden und dem Rest eine großzügige Abfindung zahlen, damit sie auch weiterhin die Klappe halten, obwohl sie sich eine neue Bleibe suchen müssen. Alternativ könnte ich sie natürlich auch bedrohen und einschüchtern, aber sie waren so nett zu uns, da dachte ich mir, sie hätten eine faire Chance verdient."
"Da hast du Recht. Bedeutet das etwa, dass du auf deine alten Tage weich wirst, Mama?"
"Du hast Hausarrest."
"Tatsächlich schafften es Ed und Drakken bis zum Abend, ihre Projekte fertigzustellen. Also setzte ich den Raketenstart auf 22 Uhr fest."
Der gesamte Führungsstab hatte sich im Raum der Computerfuzzies versammelt und wartete gespannt auf den Raketenstart.
"Na hoffentlich läuft alles glatt," sagte Shego in den Raum, deutlich darum bemüht ihre Aufgeregtheit nicht zu sichtbar zu machen. "Damit meine ich, wenn etwas schiefläuft, gibt es Aua für den Schuldigen. Aber bis dahin, lasst mich euch dafür beglückwünschen, dass wir in kürzester Zeit soweit gekommen sind."
"Gern geschehen. Unter Druck arbeite ich am besten," sagte Drakken.
"Ich dachte immer, unter Druck brichst du zusammen und fängst zu heulen an. Echt jetzt."
"Das ist gar nicht wahr!"
"Hey, ihr Zwei! Ich würde diese Unterhaltung noch sehr gerne weiter mit anhören, aber wir haben einen Satelliten ins All zu befördern. Können wir?"
Drakken und Ed senkten beschämt ihre Häupter und antworteten im Chor: "Ja, tut mir leid."
"Computerfuzzies, was sagt die Überwachung?"
Einer der blassen Männer an den Computern drehte sich um und berichtete mit monotoner Stimme: "Dem Computer zufolge wird viel über sie gesprochen, aber es gibt keinen Hinweis darauf, dass irgendwer weiss wo wir uns befinden."
"Ausgezeichnet. Dann starten wir mal den Countdown."
Ohne zu zögern drückte Shego einen großen, roten Knopf, auf dem "Abschuss" geschrieben stand.
Die Erschütterung, die die Rakete beim Start verursachte, war sogar noch im Keller des Bergverstecks zu spüren.
"Okay, hab den Countdown spontan übersprungen. Der ist immer so langweilig, findet ihr nicht auch?"
Allgemeine Zustimmung erklang im Raum.
"Apropos Langeweile. Was machen wir bis der Satellit im All ist?" fragte Vinnie.
Shego sah einige Sekunden nachdenklich an die Decke.
"Weisst du, merke dir das bitte ganz gut, denn du wirst mich das wahrscheinlich nie wieder zu dir sagen hören. Gute Frage. Computerfuzzies, läuft noch alles nach Plan."
"Alles verläuft planmäßig. Aber...vielleicht ist das der richtige Zeitpunkt um anzumerken, dass wir es nicht mögen als Computerfuzzies bezeichnet zu werden. Unsere richtige Berufsbezeichnung ist..."
"Mir egal," unterbrach ihn Shego.
"Oh...okay."
Entmutigt widmete sich der Fuzzie wieder seinem Computer. Sekunden der Stille verstrichen.
Shego sah gelangweilt auf die Uhr an der Wand und fragte: "Wie sieht's aus?"
"Die Rakete ist immer noch auf Kurs."
"Gut...gut."
"Welche Stadt wollen wir als erstes lahmlegen?" wollte Quint wissen.
"Für den Anfang vielleicht erstmal ein kleines Dorf. Irgendetwas ausserhalb. Nur so als Testlauf."
"Hast du ein bestimmtes im Sinn?"
"Nein, wir suchen uns gleich spontan eins aus."
Plötzlich murmelte einer der Computerfuzzies ein erschrockenes:"Oh oh."
Blitzartig entflammte Shego eine ihrer Hände und sah sich im Raum um.
"Wer war das? Wer sagte da 'Oh oh'? Warst du das?"
Sie packte einen ihrer am Computer sitzenden Mitarbeiter am Kragen und zog ihn daran hoch.
"Ich gebe zu, dass meine Nerven in dem Moment etwas angespannter waren, als sonst."
Panisch rief der arme Mann: "Er war's! Er hat es gesagt!" und zeigte auf seinen Sitznachbarn.
Dieser versuchte noch schnell so weit wie nur möglich von seinem Arbeitsplatz zu verschwinden, aber natürlich war Shego schneller. Er konnte sich noch nichtmal einen Schritt davonbewegen, da hatte seine Chefin ihn schon an der Schulter gepackt und zurück in den Bürostuhl gedrückt.
"Also, definiere bitte 'Oh oh'," sagte sie mit einer bedrohlichen Ruhe.
Ihr Opfer versuchte jeglichen Augenkontakt zu vermeiden.
"Als...als erstes will ich darauf hinweisen, dass es nicht meine Schuld war. Ich...überbringe nur die schlechte Nachricht."
"Was soll nicht deine Schuld sein?"
"Es...es...ich kann wirklich nichts dafür."
"Dann hast du auch nichts zu befürchten."
"Nicht?"
"Nein."
Obwohl Shegos Versuch eines freundlichen Lächelns eher dem eines Haifischs glich, glaubte er ihr.
"Gut. Also, es gab eine Kollision."
Shego versuchte immer noch ruhig zu bleiben.
"Was ist womit kollidiert?"
"Die...Rakete mit...irgendwas."
"Irgendwas?"
"Wir wissen es noch nicht. Vermutlich Weltraumschrott. Vielleicht auch ein kleiner Komet oder so etwas."
"Weltraumschrott? Ein kleiner Komet? Aber das sollte doch unsere Mission nicht weiter behindern, oder? Ich meine, es werden doch fast täglich irgendwelche Dinge ins Weltall geschossen, aber die stoßen nicht mit Weltraumschrott oder kleinen Kometen zusammen, oder?"
"Äh..."
"Und wenn doch, dann sollte es ihnen doch trotzdem gut gehen, oder?"
"Äh..."
"Also, geht es meiner Rakete und dem dazugehörigen Satelliten gut?"
"Äh..."
"Erst 'oh oh', dann 'äh'? Also, wie sieht es aus?"
Immer noch jeden direkten Augenkontakt vermeidend, murmelte er: "derakedestürzunkonollierinzurüaufdierdeunlanetwaschenliimee."
"Die Rakete stürzt unkontrolliert zurück auf die Erde und landet wahrscheinlich im Meer!?!" rief der blonde Junior entsetzt.
Aufgeregtes Murmeln erfüllte den Raum.
"Stimmt das?" fragte Shego.
Der Mann nickte aufgeregt.
"Und wir können nichts dagegen unternehmen?"
Jetzt schüttelte er ebenso aufgeregt den Kopf.
Shego trat wütend gegen seinen Bürostuhl. Während er durch den Raum rollte drehte sich Shego zu seinen Mitarbeitern.
"Könnt ihr denn überhaupt nichts unternehmen? Ihr seid doch angeblich so klug!"
"Lei...leider nicht," meldete sich ein weiterer Computerfuzzie. "Die Steuerungseinheit hat etwas abbekommen, was bedeutet, dass wir nicht mehr richtig mit der Rakete kommunizieren können und abgesehen davon...ab...gesehen davon l-liegt die Rakete schon seit ein paar Sekunden im Meer. Tut mir leid."
"An dem Tag lernte ich eine wichtige Lektion. Man kann durchaus ein fähiger Schurke sein, der seine Pläne so perfekt wie nur möglich auszuführen versucht, aber manchmal hat man eben Pech und dann kann man nichts dagegen machen."
Schlagartig wurde es still. Niemand traute sich etwas zu sagen. Es dauerte fast eine ganze Minute, bevor Shego die Stille brach.
"Verlasst bitte alle den Raum. Sofort. Ich gebe euch zehn Sekunden, dann solltet ihr alle draussen sein."
Zügig verließen die Anwesenden den Kontrollraum. Nur Tyler blieb noch einen Moment in der Tür stehen.
"Hey, du machst doch jetzt keine Dummheit, Mama. Die Geräte waren teuer und es ist wichtig, dass die Überwachung lückenlos bleibt."
"Nein, keine Sorge," seufzte Shego. "Ich fand es nur weniger peinlich euch alle nach draussen zu jagen, als selber aus dem Raum zu rennen. Ich komme in ein paar Minuten nach."
Als auch ihr Sohn den Raum verlassen und die Tür hinter sich geschlossen hatte, atmete Shego tief durch, setzte sich auf einen Bürostuhl, lehnte sich zurück und streckte die Beine aus.
"Dann müssen wir uns eben etwas neues ausdenken. So einfach ist das," flüsterte sie zu sich selbst, stand auf und warf den Stuhl, auf dem sie eben noch saß, wütend gegen die Wand.