Kapitel 53

Fünf auf einen Streich (Der lange Weg zur Weltherrschaft, Teil 7)

Ein weiterer Montagmorgen, eine weitere Konferenz. Shego betrat den Versammlungsraum erst zehn Minuten nach allen Anderen.
"Du wirst nicht schon wieder fragen, was da schiefgelaufen ist, oder? Das machst du in letzter Zeit nämlich ständig, echt jetzt," sagte Motor Ed, noch bevor Shego sich setzen konnte.
Shego seufzte und warf Quint einen vorwurfsvollen Blick zu, bevor sie zur Tagesordnung überging.
"Machen wir es kurz. Wann immer wir einen unserer Pläne in die Tat umsetzen, taucht Kim auf und verhindert sie. Manchmal verhindert sich der Plan auch von alleine oder durch einen völlig unerwarteten Faktor. Also hören wir damit auf, immer nur einen Plan nach dem anderen umzusetzen, sondern kümmern uns diesmal gleich um fünf auf einmal. Jedes Projekt findet genau zur selben Zeit, auf einem anderen Punkt der Erde statt. Sie werden völlig unabhängig voneinander gestartet, abgesehen davon, dass sie bis auf die Sekunde genau synchron ablaufen. Sollte ein Plan misslingen, haben wir noch vier weitere am laufen, die durch den einen Fehlschlag nicht beeinträchtigt werden. Kim kann unmöglich alle auf einmal vereiteln. Sie kann nicht überall sein!"
"Und wenn doch?" fragte der blonde Junior in den Raum. "Sie kann einfach alles!"
"Das wage ich zu bezweifeln."
"Gut, nehmen wir mal an, sie schafft es tatsächlich nicht überall zu sein. Was für eine Erfolgsgarantie haben wir?"
"Eine sehr hohe. Wenn einer von fünf Plänen nicht gelingt, ist das zu erwarten. Wenn zwei von fünf Plänen nicht gelingen, ist das ein dummer Zufall. Wenn drei oder mehr nicht gelingen, hat von Anfang an etwas nicht gestimmt und genau diesen Faktor versuchen wir durch eine entsprechend lange Vorbereitungszeit zu eliminieren. Bevor jemand fragt, die Vorbereitungszeit beträgt genau ein Jahr. Und wenn bis dahin nicht alles tip-top vorbereitet ist, werden wir eben dementsprechend warten. Das ist aber kein Freibrief für euch, um zu trödeln. Es soll nur verhindern, dass ihr unter Zeitdruck schlampt. Ich erwarte nun von jedem von euch, dass ihr bis in exakt vier Wochen mit guten, umsetzungsreifen Welteroberungskonzepten zu mir kommt. Dr. D., sie sind der Leiter von Gruppe eins, Ed leitet Gruppe zwei, Esther leitet Gruppe drei. Ausserdem habe ich mir ganz viele Personalakten durchgesehen und zwei Mitarbeiter herausgepickt, von denen ich glaube, dass sie als Teamleiter geeignet wären. Da wäre einmal Timothy Waggner, vorher einer der führenden Assistenten von Dr. D, jetzt Teamleiter Nummer vier und Garth Addams, aus der Mitarbeiterschaft von Ed. Nun ist er Leiter von Team Nummer fünf. Für die von euch die keine Ahnung haben, die beiden gehören zu den Menschen, die immer da hinten an der Wand stehen, wenn wir eine Versammlung haben und eigentlich nur deshalb da sind, weil ich es für eine gute Idee hielt, wenn auch eure Assistenten den Versammlungen beiwohnen. Keine Ahnung ob es wirklich eine gute Idee war, aber immerhin können sich Waggner und Addams nun über eine Beförderung freuen."

"Das erste Mal, dass ich jemanden beförderte. Normalerweise habe ich sie immer nur gefeuert."

Während sich die zwei gerade Beförderten erfreut abklatschten, schlug Bonnie wütend mit ihrer Faust auf den Tisch.
Junior versuchte sie noch zu beschwichtigen, doch sie schüttelte einfach seine Hand von ihrer Schulter und rief in den Raum: "Und ich bekomme nichts?!"
Schlagartig wurde es um sie herum still.
"Ich glaube, du hast erst kürzlich bewiesen, dass du noch nicht weit genug bist, um so viel Verantwortung zu übernehmen. Und dieser Ausbruch gerade, wirft dich nochmal ein Stückchen zurück."

"Ich bewunderte ihren Ehrgeiz natürlich genau so sehr, wie ihren mangelnden Respekt vor Autoritätspersonen. Wäre ich nicht die Autoritätsperson gewesen, hätte sie bekommen, was sie wollte."

"Aber..."
"Das wäre es für heute. Ihr wisst, was ihr zu tun habt."
Junior nahm seine Frau in den Arm und redete auf dem Weg zur Tür sanft auf sie ein.
Es sah kurz so aus, als würde Bonnie sich tatsächlich wieder beruhigen, bis Vinnie nebenbei anmerkte: "Mann, du musst aber ganz schön Mist gebaut haben, wenn du einfach so auf die Ersatzbank geschoben wirst."
Wie eine Raubkatze sprang Bonnie auf ihn zu und schrie: "Du Mistkerl, ich kriege dich!"
"Oh Mist, böser Cheerleader! Habe ich völlig vergessen! Böser Cheerleader! Rettet mich!"

"Die Pläne sahen folgendermaßen aus. Drakken wollte einen gigantischen Staubsauger des Verderbens bauen. Ed wollte den Panzer, der bei uns in der Garage stand, aufmotzen und ich glaube ich muss nicht weiter ausführen, was er darunter verstand. Esther plante eine Armee von Riesenkaninchen zu züchten, die durch ihr Gehoppel Erdbeben verursachen sollten. Waggner, Neuzugang Nummer Eins, wollte eine Chemikalie ins Abwasser einer Großstadt pumpen, die steinhart wird und sich ausdehnt, um so die komplette Kanalisation derart zu verstopfen, dass man das gesamte Gebiet aus hygienischen Gründen für eine ganze Weile evakuieren müsste. Und Addams, der zweite Neuzugang, wollte eine Limonade entwickeln, die ihre Konsumenten, wenn sie in ausreichender Menge getrunken wird, zum schweben bringen würde. Alles sehr dumme Pläne, aber dumm genug um zu funktionieren. Während die einjährige Vorbereitungsphase also anlief, musste ich mich aber um ein anderes Problem kümmern."

"Schön, dass du wach bist, Bonnie. Nachdem du in der letzten Woche nicht zum Training erschienen bist, gehe ich davon aus, dass du endlich ausgeschmollt hast und ich heute wieder mit dir rechnen kann. Habe ich recht?"
Bonnie und Junior starrten Shego mit weit aufgerissenen Augen an. Sie wussten nicht was sie genau aus dem Schlaf gerissen hatte, wie früh am Morgen es war oder warum sie mitten in einem Trümmerhaufen lagen, der allem Anschein nach vor kurzem noch ihr Bett war, aber ihnen war klar, dass sie sich besser für ihr Training vorbereiten sollten.
"J...ja, wir sind sofort da," murmelte Junior und versuchte mit einem Kissen einen vor sich hin kokelnden Bettpfosten zu löschen.

"Damit hatte ich dann auch Bonnie wieder klar gemacht, wer hier der Boss war. Zumindest für einige Zeit. Irgendwie schien sie mit dem Herzen nicht mehr ganz bei der Sache zu sein und dies hatte zur Folge, dass ich es bei ihr auch nicht mehr war. Doch obwohl ich noch nie gerne mit kaputten Spielsachen gespielt habe, wollte ich Bonnie nicht gleich aufgeben. Vielleicht hätte ich es tun sollen. Aber zu dem Zeitpunkt waren mir andere Dinge wichtig. Wie eben der Fünf-Pläne-Plan oder die Freundin meines Sohnes."

Es war an einem Dienstag, um genau 2:37 Uhr in der Nacht, als Miranda schlagartig klar wurde, dass sie sich nicht mehr in ihrem Bett befand, man sie an einen Stuhl gefesselt und ihr einen Sack über den Kopf gezogen hatte.
"Oh, das ist neu," sagte sie noch etwas verschlafen.
Shego entfernte mit einem Ruck den Sack und begrüßte ihr Opfer mit einem unheilvoll klingenden: "Guten Morgen, Sonnenschein!"
Miranda seufzte erleichtert.
"Bin ich froh, dass sie es sind."
"Solltest du aber nicht."
"Nein nein, verstehen sie mich nicht falsch. Natürlich bin ich nicht gerade beruhigt, dass sie mich mitten in der Nacht in irgendeinen muffig riechenden Kellerraum verschleppen, aber besser sie tun es, als irgendein völlig Fremder. Immerhin bin ich mir bei ihnen sehr sicher, was ihre Absichten angeht. Es geht um Tyler, habe ich Recht?"
"Ja, hast du. Und ab jetzt hörst du mir zu und redest nur, wenn du gefragt wirst."
"Ist gut."
"Hey, letzte Warnung!" Shego fing an, Miranda bedrohlich zu umkreisen. "Wie du sicher weisst, mag ich meinen Sohn sehr gerne. Ich will hier weder einen gluckenhaften Eindruck erwecken, noch möchte ich dir glauben machen, dass Tyler ein Muttersöhnchen wäre. Oh nein, ganz bestimmt nicht. Er ist ein erwachsener Mann und darf tun und lassen was er will. Und er darf sich verabreden, mit wem er will. Wenn ihr euch nächste Woche schon wieder trennt, habe ich euch genau so wenig hineinzureden, als wenn ihr den Rest eures Lebens miteinander verbringt. Lass mich nur eines klarstellen." Sie postierte sich hinter Miranda und fing an ihre Schultern fest zu massieren. "Du wirst ihn nicht betrügen, nicht ausnutzen, ihn nicht grundlos anlügen und falls ihr euch irgendwann trennen solltet, wird es gefälligst eine saubere, wenn möglich freundschaftliche Trennung sein. Kurz zusammengefasst: Brichst du ihm das Herz, breche ich dir auch etwas. Verstanden?"
"Verstanden."
"Sehr schön." Shego löste ihre Fesseln. "Da das nun geklärt ist, lass uns ein bisschen von Mutter zu Freundin ihres Sohnes plaudern."
Miranda rieb die Druckstellen an ihren Handgelenken.
"Ich dachte, das hätten wir gerade."
"Das war der inoffizielle Teil, von dem Tyler niemals erfahren darf."
"Keine Sorge, ich werde ruhig sein. Auch wenn er mich schon vor einiger Zeit davor gewarnt hatte, dass sie so etwas mit mir vorhaben könnten."
"Oh, im Ernst?" fragte Shego leicht amüsiert.
"Ja. Aber er sagte auch, dass womit auch immer sie mir drohen würden, es ihr voller Ernst wäre."

"Miranda stellte sich als durchaus sympathisch heraus. Vielleicht war sie etwas zu höflich und fröhlich für meinen Geschmack und die vielen Piercings wirkten auf mich einfach nur lächerlich, aber ich kam gut mit ihr zurecht. Sie zeigte Interesse und Respekt für das Schurkentum, zeigte selber aber nur geringe Ambitionen, es selber zu versuchen. Das gefiel mir. Sie hing mir deshalb weder an den Fersen und nervte mich mit dummen Fragen oder Bemerkungen, noch musste ich mir Sorgen machen, dass sie Tyler in irgendwelche kriminellen Aktivitäten hineinzog, die ich nicht kontrollieren konnte. Mehrere Monate gingen schließlich ins Land und ich fing an, mich zu langweilen. Das war der Nachteil, wenn man sich auf der anderen Seite des Schreibtisches wiederfand und die Anderen die ganze Arbeit machen ließ."

Drakken saß gerade in seiner Werkstatt über einen Schaltplan gebeugt, als Shego seinen Stuhl zurückzog und sich auf seinen Schoß setzte.
"Dr D., mir ist laaaangweiiiliiiiig," sagte sie mit einem gespielten Quengeln.
"Und was soll ich jetzt dagegen unternehmen?"
"Unterhalte mich."
"Das würde ich ja, aber ich bin gerade am arbeiten und wenn ich dieses Projekt nicht rechtzeitig fertig bekomme, wird meine Chefin sauer."
"Ich bin mir sicher, ich kann diesbezüglich mit deiner Chefin reden. Wir verstehen uns nämlich sehr gut."
"Ja, aber..."
"Was ist?" seufzte Shego enttäuscht.
"Du weisst ganz genau wie sehr ich es hasse, meine Arbeit mittendrin zu unterbrechen."
"Kann ich dir vielleicht dabei helfen?"
"Naja, du könntest..."
"Ach, vergiss es, deine Arbeit ist sowieso langweilig. Ich habe dir zu viele Jahre dabei zugesehen."
Sie sprang von Drakkens Schoß auf und wollte gerade zur Tür hinaus gehen, als er ihren Arm festhielt und sie davon abzuhalten versuchte.
"Halt, warte, du könntest etwas für mich stehlen!" rief er, während Shego ihn mitsamt dem Stuhl auf dem er saß hinter sich her zog.
Interessiert blieb sie stehen.
"Stehlen, sagst du? Das mache ich doch gerne. Hoffentlich ist es etwas streng geheimes und schwer bewachtes."
"Ich weiss doch, was du magst."

"Drakken brauchte für seinen Staubsauger des Verderbens eine Turbine. Zufälligerweise hatte gerade jemand einen Prototypen für Flugzeuge entwickelt, der so klein und leicht wie ein Handstaubsauger war, aber einen mittleren Hurrikan verursachen konnte, wenn man ihn voll aufdrehte. Ich beschloss das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden und nahm Bonnie und Junior mit."

Der Zaun war überquert, die Hunde abgelenkt, die ersten Wachen abgefertigt. Shego, Bonnie und Junior standen nun auf dem Dach des Gebäudes, in dem sich der Prototyp befand und besprachen ihr weiteres Vorgehen.
"Bonnie, du gehst rein und holst das Ding und wir warten hier auf dich."
"Was!? So ganz alleine? Ohne Verstärkung?" erwiderte Bonnie gleichermaßen nervös und empört.
"Wir sind deine Verstärkung. Soll heissen, wenn du geschnappt wirst, holen wir dich in ein paar Tagen aus dem Gefängnis. Also vermassel es nicht."
"Ich bin mir nicht sicher, ob ich damit einverstanden bin," merkte Junior an.
Shego warf ihm einen kurzen Blick zu und antwortete nur: "Doch, das bist du."
Bonnie versuchte eine Diskussion zu starten.
"Aber..."
"Du gehst da rein oder du fliegst raus," würgte Shego sie ab.
"Wo raus?"
"Aus meiner Organisation. Betrachte das hier als deine Abschussprüfung. Bestehst du sie, hast du eine Zukunft. Bestehst du sie nicht, kannst du sie später wiederholen. Versuchst du es gar nicht erst, versuche ich es mit dir auch nicht mehr."
"Ist gut," seufzte Bonnie schließlich und ließ sich in die Arme ihres Mannes fallen. "Hab keine Sorge, mein Liebster. Ich werde da heil wieder rauskommen, versprochen."
Plötzlich tippte ihr Shego ungeduldig auf die Schulter: "Ähm, entschuldigung? Wir haben nur ein geringes Zeitfenster bis jemand bemerkt, dass die Kameras und die Wachposten im Hof ausgeschaltet sind und die Diskussion vorhin hat es schon stark verkürzt, also hebt euch die Liebesschwüre für später auf."
Mit einem tiefen Seufzen drückte Bonnie ihrem Liebsten noch einen Kuss auf die Lippen und verschwand daraufhin elegant in einem Luftschacht.
"Also Junior," sagte Shego mit einem Blick auf die Uhr, "ich hoffe, ich bereite dir nicht zu viele Eheprobleme."
"Nein, nicht wirklich. Es ist zwar immer sehr verwirrend, sich zwischen meiner Chefin und meiner Frau zu entscheiden, weil du eben diesen Job in- und auswendig kennst und zudem noch sehr furchteinflößend bist, Bonnie aber nunmal meine Frau ist, ich sie über alles liebe und sie ebenfalls sehr furchteinflößend sein kann, aber ich habe jetzt völlig vergessen was ich sagen wollte."
"Du bist immer noch so leicht zu verwirren, wie vor 20 Jahren."
"Ja, das sagt Bonnie auch immer."
Shego nickte. Dann nickte Junior. Shego nickte zurück, Junior ebenfalls. Dann nickte Shego nicht mehr. Daraufhin vergingen einige Sekunden peinlicher Stille.
"Sie sollte jetzt gleich im Tresorraum sein," sagte Shego, woraufhin Bonnie plötzlich hinter ihr antwortete: "Nein, ich bin schon wieder zurück."
Shego und Junior drehten sich verblüfft um. Bonnie stand tatsächlich hinter ihnen. In der Hand hielt sie den Turbinen-Prototypen. Junior fiel seiner Frau sofort in die Arme.
"Ach, du bist so wunderbar."
"Du aber auch."
Shego klatschte leise in die Hände.
"Sehr beeindruckend, muss ich sagen. Ich wusste ja, dass du etwas auf dem Kasten hast, aber jetzt bin ich doch sehr überrascht. Sieht so aus, als hättest du doch noch eine Zukunft. Doch nun sollten wir verschwinden, bevor jemand den Diebstahl bemerkt. Hallo!? Habt ihr mir zugehört? Lippen auseinander und mitkommen!"

"Der Rest des Jahres verlief ziemlich unspektakulär. Ich hatte meine Untergebenen zu dem Zeitpunkt schon so weit auf meine Ansprüche eingestellt, dass sie größtenteils selbstständig arbeiten konnten. Quint war rücksichtsvoll genug, mir mit ihrer Affäre mit Motor Ed nicht zu sehr auf die Nerven zu gehen und Tyler war mit Miranda auch durchweg glücklich. Bonnies Training erreichte Stufe zwei, in der ich sie immer wieder auf kleinere Raubzüge schickte. Sie kam jedesmal unbemerkt, mit dem gewünschten Diebesgut zurück. Also alles in allem war das Jahr unglaublich langweilig und es war nur die Vorfreude auf die herannahende Weltherrschaft, die mich während dieser Zeit wach hielt. Ohne den Blick für das große Ganze, hätte ich wohl alles hingeschmissen."

Der große Tag war gekommen. Shego, Quint, Bonnie, ihr Mann, Vinnie, Big Mike, Junior, die zweite Generation der Computerfuzzies und ein Haufen Handlanger und Asisstenten hatte sich im Kontrollraum versammelt. Auf einem riesigen Monitor war eine Konferenzschaltung zwischen den einzelnen Punkten der Erde eingerichtet worden, an denen die jeweiligen Aktionen stattfinden sollten.
"T minus Fünf Minuten," sagte einer der Computerfuzzies.
Shego rieb sich nervös die Hände.
"Also, wie sieht es aus!? Drakken!?"
"Die Turbine läuft warm. Keinerlei Probleme in Sicht," meldete der Doktor über die Konferenzschaltung.
"Ausgezeichnet. Ed, was macht der Panzer!?"
"Alles so weit einsatzbereit, echt jetzt. Oh Mann, mich juckt es schon überall. Kann es kaum erwarten einzusteigen und alles plattzumachen. So platt war diese Gegend noch nie, echt jetzt!"
Shego warf der hinter ihr stehenden Quint einen verzweifelten Blick zu und formte mit ihren Lippen die Worte: "Warum ausgerechnet er?" Dann drehte sie sich wieder zum Monitor und fragte Esther: "Esther, was machen die Hasen?"
"Die Häschen schlafen noch. Am liebsten würde ich sie gar nicht aufwecken, so süß wie sie aussehen."
"Ja, wie auch immer, nenne sie bitte nicht Häschen. Sie sind mit drei Metern Körpergröße doch etwas zu groß um sie derart zu verniedlichen."
"Nicht für mich," antwortete Esther mit dem für sie typischen breiten Grinsen.
Sofort widmete sich Shego dem nächsten Plan: "Waggner, was macht die Kanalisation!?"
"Stinkt bestialisch," meldete sich Waggner. "Aber wir warten nur noch auf ihr Signal um hier alles dichtzumachen."
"Sehr schön. Und bei ihnen, Addams?"
Addams stand hinter der Eingangstür eines großen Sportstadions. Die Fangesänge im Hintergrund machten es ihm schwer, laut genug zu sprechen, ohne die Aufmerksamkeit der falschen Leute auf sich zu ziehen.
Also hob er einfach ein Stück Pappe hoch, auf dem: "Alles in Ordnung, kann losgehen" stand.
Shego nickte ihm zu und hob den Daumen. Dann drehte sie sich zu den Computerfuzzies.
"Wo stehen wir beim Countdown!?"
"T Minus zwei Minuten und dreißig Sekunden."
"Sehr schön. Und wie sieht es mit der Sicherheit aus?"
"Keinerlei verdächtige Meldungen über unsere Aktivitäten über Telefon, Internet, Polizeifunk und private Netze. Und die Satellitenbilder beweisen eindeutig, dass Kim Possible noch zu Hause ist."
"Sehr schön!" Shego drehte sich erfreut zu den Menschen hinter ihr um. "Ich will nicht zu früh mit dem Jubeln anfangen, aber im Moment sieht doch alles wirklich hervorragend aus!"
"Woah, was ist denn das!? Echt jetzt!" rief Ed plötzlich über die Konferenzschaltung.
Mit einem enttäuschten Seufzen drehte sich Shego wieder zum Monitor.
"Ed, was ist los!?" fragte sie gleichzeitig mit Quint.
Die Handlanger in Eds Basis befanden sich in heller Aufregung und rannten zielstrebig auf ein für die Kamera unsichtbares Ziel zu.
"Keine Ahnung, echt jetzt. Scheinbar versucht hier jemand einzudringen. Und wer immer es ist, er ist verdammt gut, echt jetzt. Ich steige besser schonmal in den Panzer ein."
"Ja, tu das. Aber warte auf weitere Anweisungen. Und melde dich sofort, wenn du genaueres über den Angreifer weisst."
"Und sei vorsichtig!" fügte Quint hinzu.
Dann ging auch noch der Alarm bei Drakken los.
"Was ist denn jetzt!?"rief Shego.
"Kim Possible ist hier!" antwortete Drakken panisch und versteckte sich unter einem Tisch.
"Kim Possible!? Das kann nicht sein! Computerfuzzies!"
"Ich...äh...ich verstehe das auch nicht. Hier, sehen sie. Ihre Biosignale kommen eindeutig aus ihrem Haus! Und es scheint auch kein Fehler bei der Liveübertragung vorzuliegen!"
"Dann gehen wir eben davon aus, dass Drakken sich irrt. Aber wer greift ihn dann an? Und Motor Ed!"
"Und Esther!" sagte Bonnie.
"Was!?"
Shego drehte sich zum Monitor und sah dort, wo eigentlich Esthers Operationsbasis zu sehen sein sollte, nur noch Schnee. Und dann meldete sich auch schon Addams.
"Äh, hallo!? Kim Possible ist hier! Müssen Mission abbrechen!"
Verzweifelt strich sich Shego durch die Haare.
"Waggner, alles klar bei ihnen?"
"Ja, bei mir ist alles gut. Oh, warten sie mal, da hinten scheint es einen Kampf zu geben."
"Bitte nicht dort auch noch. Kommt schon, was geht hier vor!?!"
Helle Aufregung herrschte im Hauptquartier. Die Computerfuzzies rannten von einem Bildschirm zum anderen, die Handlanger schwärmten für den Fall, dass sie auch angegriffen werden sollten in alle Richtungen aus und alle Anderen versuchten entweder beschäftigt zu wirken oder zumindest nicht Shego vor die Füße zu laufen.
Dann erklang plötzlich eine bekannte Stimme über den Lautsprecher.
"Hallo? Wer ist denn da an der anderen Seite?"
Die Aufmerksamkeit der Anwesenden richtete sich auf den Hauptmonitor, wo in dem Teil der Konferenzschaltung, der DNEsthers Operationsbasis zeigen sollte, langsam wieder ein Bild erschien.
Es war Kim Possible, die fröhlich in die Kamera winkte.
"Hallo Shego, wusste ich doch, dass du dahinter steckst!"
Noch bevor sie etwas darauf antworteten konnte, tat sich auch wieder etwas bei Drakken. Dort war ebenfalls Kim zu sehen.
"Oh, gut, dass du auch schon fertig bist," sagte sie über die Konferenzschaltung zu ihrer Doppelgängerin.
"Naja, wir sind eben aus dem selben Holz geschnitzt."
"Ich bin auch schon fertig!" sagte eine weitere Kim von Waggners Kamera aus. "Aber wer auch immer das war, er war leider nur ein Anfänger."
Die mittlerweile vierte Kim antwortete von Addams Standort aus: "Genau wie bei mir. Ist ja irgendwie langweilig."
Shego sah sich das "Selbstgespräch" ungläubig, aber gefasst an.
"Werdet ihr jetzt etwa arrogant? Das will ich doch nicht hoffen," sagte schließlich auch eine fünfte Kim in Eds Kamera, bevor sich alle Inkarnationen wieder an Shego wandten und im Chor verkündeten: "Wir finden auch noch heraus, wo du steckst."
"Alle Verbindungen kappen!" schrie Shego zu ihren Computerfuzzies und riss zur Sicherheit wahllos ein Bündel Kabel aus einem Steckplatz hinter dem Hauptmonitor.

"Wie sich herausstellte hatte Kim einen Tag vorher einem Wissenschaftler geholfen, eine gestohlene Klonmaschine wiederzubeschaffen. Dabei gab es einen Unfall und deshalb gab es sie für einige Tage in sechsfacher Ausführung. Soviel zum Thema 'sie kann nicht überall sein'."

Wütend kniete Shego auf dem Boden. In der Hand hielt sie immer noch die abgerissenen Kabel, die nun in einem grünen Licht langsam vor sich hin schmorten. Um sie herum leerte sich leise der Raum. Alle Mitarbeiter versuchten möglichst lautlos Land zu gewinnen.
"Solltest du deiner Mutter nicht beistehen?" fragte Miranda leise, als Tyler mit ihr aus dem Raum schlich.
"Genau das tun wir gerade. In solchen Momenten will sie einfach alleine gelassen werden."
"Wann meinst du, können wir es ihr sagen?"
"Unsere Verlobung? Lassen wir erstmal ein paar Tage Gras über das hier wachsen."