„Sofort nach der Schule machten wir uns auf dem Weg zu Vince, um ihm unsere Entscheidung mitzuteilen.“
„Wir sind dabei“, sagte Hego. Shego räusperte sich, woraufhin er noch hinzufügte: „Wir wissen aber nicht, ob...sollten wir uns als...“
Shego vervollständigte kopfschüttelnd Hegos Gestammel: „Die Entscheidung war nicht einstimmig. Haben wir ihr Wort, dass wir jederzeit die Ausbildung abbrechen können?“
„Weißt du, Superheldentraining ist kein Zeitschriftenabo. Aber wenn jemand nicht dafür berufen ist, sehe ich keinen Grund, ihn dazu zu zwingen. Ja, okay.“
„Und was ist mit den Zwillingen?“
„Ich kümmere mich um sie, wenn es sein muss. Ich weiss, wie das geht. Hab selber einige jüngere Brüder und musste oft genug Babysitten. Haben sie auch Superkräfte?“
Hego sah die, friedlich im Kinderwagen sitzenden, Zwillinge an.
„Keine Ahnung. Ich glaube einmal etwas gesehen zu haben, es ist aber bis jetzt nicht mehr aufgetaucht.“
Vince nickte nur und strich sich durch sein dünnes Haupthaar.
„Gut“, sagte er, „das Training beginnt sofort. Habt ihr Hausaufgaben auf?“
„Ja.“
„Doch.“
„Leider.“
„Dann erledigt sie jetzt.“
„Was für eine Art Superhelden sollen wir denn werden. Die fantastischen Nachhilfelehrer?“ fragte Mego.
„Immer noch besser als „Die fantastischen Vollidioten“, oder?“ antwortete Vince. „Bildung ist ein wichtiger Grundpfeiler des Heldentums, darum werdet ihr als erstes immer eure Hausaufgaben erledigen. Es sei denn, es handelt sich um Algorythmen. Die werdet ihr niemals brauchen. Und wenn ihr mit euren Hausaufgaben fertig seid, geht ihr auf die Laufbänder dahinten, und lauft, bis ihr nicht mehr könnt.“
„Was!?“ fragten alle drei gleichzeitig.
Einer der Zwillinge fügte noch ein „Ga“ hinzu.
„Ich will sehen, wie fit ihr seid. Also macht euch an die Arbeit.“
„Ich kann mich noch genau an das Ende des Tages erinnern. Vince hat uns wirklich laufen lassen, bis wir nicht mehr konnten. Als wir wieder in unserem Zimmer waren, fielen wir sofort in unsere Betten und bewegten uns nicht mehr.“
„War doch gar nicht mal so übel, für den ersten Tag“, sagte Hego, mit einem leisen Hauch von Schmerz in der Stimme.
Shego versuchte ihren Kopf zu ihrem ältesten Bruder zu drehen und schnaufte: „Weißt du, wenn ich nicht so müde wäre, würde ich jetzt rüber kommen und dir so kräftig in den Arm kneifen, dass jeder, der den blauen Fleck sieht, glauben wird, das wäre eine Tätowierung.“
Hego dachte mit schaudern an das letzte Mal, als seine kleine Schwester ihn in den Arm gekniffen hatte.
„Dann...bin ich sehr glücklich, dass du so dermaßen ausser Atem bist.“
„Ich weiss nicht, wie es euch geht“, röchelte Mego, „aber ich hoffe, das wird morgen besser. Wenn Superheld zu sein bedeutet, jeden Tag das zu machen, was wir heute gemacht haben, dann ist es nicht so toll, wie ich es mir vorgestellt habe.“
„Das wird schon noch. Er wollte uns ja nur testen. Morgen machen wir bestimmt etwas aufregendes.“
Und am nächsten Nachmittag machten sie: „Liegestütze!“
„Sie machen Witze, oder?“ fragte Shego.
Vince schüttelte den Kopf. „Nein, mache ich nicht. Aber ihr macht Liegestütze. Natürlich macht ihr erst eure Hausaufgaben, aber dann macht ihr Liegestüze.“
Mego wusste eigentlich schon die Antwort, fragte aber trotzdem: „Und wie viele?“
„Bis ihr nicht mehr könnt.“
„Na klar.“
1 ½ Stunden Hausaufgaben und 4 bzw. 9 und 15 Liegestützen später.
„Das war’s schon?“
„Nun“, antwortete Mego, während er versuchte das schmerzhafte Kribbeln in seinen Armen zu ignorieren, „ja.“
Vince nickte verständnisvoll, sagte aber dann: „Zeigt mal, wie viele Sit-up’s ihr machen könnt.“
Shego grinste.
„Wie viele können sie?“
„Vier“, antwortete Vince unerwartet ehrlich. „Mal sehen, ob ihr das schlagen könnt.“
„Ich schaffte ebenfalls vier. Mego nur drei, und er hat ewig dafür gebraucht. Hego kam immerhin auf sechs. So ging es dann die nächsten Tage weiter. Wir kamen nach der Schule zu ihm, machten unsere Hausaufgaben und dann machten wir absolut nichts, was wir nicht auch im Sportunterricht in der Schule gemacht hätten. Dehnübungen, Seilspringen, Kniebeugen, Klimmzüge, wir trainierten sogar Bälle weit zu werfen! Das alles wäre ja noch halbwegs zu ertragen gewesen, wenn wenigstens ein Muster in seinem Training zu erkennen gewesen wäre, aber er schien uns einfach all das machen zu lassen, was ihm gerade so einfiel. Mego und ich standen schon nach dieser kurzen Zeit davor, einfach aufzuhören, doch Hego redete es uns in seinem unerbitterlichen Optimismus immer wieder aus. Doch dann, am Ende der zweiten Woche, wurde es so richtig schlimm.“
Vince stellte einen, mit Wasser gefüllten Putzeimer auf, warf drei Schwämme vor die Füße der Geschwister und sagte: „Heute dürft ihr den Boden scheuern.“
Shego, Hego und Mego sahen auf den Fußboden. Er war nicht wirklich dreckig. Dann sahen sie zu Vince auf.
„Was ist?“ fragte er.
„Wir sollen auf unseren Knien herumrutschen und den Fußboden scheuern?“ fragte Shego mit einem eindeutig aggressiven Unterton in ihrer Stimme.
„Genau.“
„Warum?“
„Schonmal „Karate Kid“ gesehen? Auftragen und polieren. Oder in diesem Fall, hinknien und scheuern.“
Shego wollte gerade etwas sagen, dass gemeiner war, als alles, was sie bis jetzt zu irgendwem gesagt hatte, als sie bemerkte, wie sich Hego einen Schwamm schnappte und sich über den Fußboden hermachte.
„Kommt schon“, sagte er so, als ob den Boden scheuern die tollste Freizeitunterhaltung aller Zeiten wäre. „Wie wollt ihr das Böse bekämpfen, wenn ihr schon vor dem bisschen Dreck halt macht?“
Shego und Mego warfen sich einen vielsagenden Blick zu und schrubbten dann gemeinsam mit ihrem großen Bruder den Boden.
„Das war dann doch zuviel für Mego und mich. Vor allem für mich. Am Abend mussten wir ganz dringend mit Hego reden.“
„Hego, wir hören auf.“
Hego schüttelte sich überrascht.
„Aufhören? Aber Shego, das waren doch gerade mal zwei Wochen.“
„Zwei Wochen, in denen wir nur Aufwärmübungen gemacht. Und diese haben wir so lange gemacht, bis wir nicht mehr konnten.“
„Gut, ich verstehe. Du wolltest ja von Anfang an nicht dabei sein. Dann kann ich dich nicht aufhalten. Was ist mit dir, Mego?“
„Ich höre auch auf.“
„Aber...“
„Hey, tut mir leid, aber ich habe mir geschworen, niemals im Leben einen Fußboden schrubben zu müssen.“
„Warum denn das?“
„Weil...ich habe es mir eben geschworen, okay?“
Hego setzte sich enttäuscht hin und seufzte.
„Gut. Dann...war’s das wohl.“
„Sieht so aus.“
„Ja.“
„Ich...wollte aber unbedingt ein Superheld sein. Meinen Mitmenschen helfen“, sagte Hego mit zittriger Stimme.
Mego gab ihm einen Klaps auf die Schulter.
„Kannst du ja immer noch.“
„Aber was nützt mir das, ohne euch?“
„Als wir am nächsten Nachmittag zu Vince gingen, wollten wir ihm unseren Entschluss mitteilen. Dazu kamen wir aber nicht.“
„Schön, dass ihr da seid“, begrüßte Vince die Geschwister sofort. „Jetzt kann das echte Training beginnen.“
„Das echte Training?“ fragte Hego.
„Yep. Die letzten zwei Wochen waren nur so eine Art Test, um zu sehen, wie ernst ihr es meint. Nicht so offensichtlich, dass ihr es gleich merkt, aber dafür auch gerade dumm genug, um euch eventuell an mir zweifeln zu lassen.“
Hego kratzte sich am Kopf.
„Also...sie haben uns zwar trainiert, aber nicht wirklich, denn das Training, das keines war, war ein Test, der nicht so aussehen sollte wie einer, obwohl sie uns gesagt haben, dass sie uns testen wollen? Das ist genial!“
„Soweit würde ich nicht gehen, aber wenn ich euch zwei Wochen lang den Fußboden hätte schrubben lassen, wärt ihr doch sofort abgehauen, oder? Wie auch immer, ich hoffe ihr seid nicht gekommen, um zu kündigen.“ Shego und Mego sahen verschämt, aber nicht zu offensichtlich auf den Boden, während Hego ungewohnt schadenfroh lächelte. „Jetzt geht es nämlich los mit, stellt euch jetzt bitte eine Fanfare vor, Kickboxen.“
„Coooooooool“, flüsterten Shego, Hego und Mego und auch die Zwillinge lächelten.
„Doch zuerst macht ihr eure Hausaufgaben. Damit war es mir nämlich ernst.“
Grummelnd machten sich die großen Geschwister an die Arbeit, während Vince erstmal eine Runde Windeln wechselte.
„Ja, und so ging es dann los. Vince hat sich wirklich als hervorragender Lehrer entpuppt. Binnen kürzester Zeit brachte er uns die Grundlagen für dutzende, verschiedene Kampfstile aus allen Ecken der Welt bei. Kickboxen, Karate, Judo, Tae-Kwon-Do, Jiu-Jitsu, Esdo, Capoeira, Taek-kyon, Kian-Do, Arnis, Eskrima, Ninjutsu, Muay-Thai, um mal ein paar zu nennen. Ausserdem noch einen experimentellen Kampfstil namens Gunkata, den er, so sagte er uns, von irgend so einem Typen namens Kurt gelernt hatte. Wir haben ihn aber nie benutzt. Dafür braucht man Schusswaffen und wir wurden ja selber unsere eigenen Waffen. Es stellte sich schnell heraus, wer von uns welche Stile besser beherrschte. Ab dann trainierte uns Vince individuell. Eines abends erzählte er mir dann in Abwesenheit meiner Brüder, was er von mir hielt.“
„Shego, warte noch einen Moment.“
Shego hatte gerade ihre heutige Trainingslektion beendet und war auf dem Weg, unter die Dusche.
„Was gibt’s?“
„Du bist viel besser als deine Brüder.“ Shego riss die Augen weit auf und sagte nichts. „Deine Brüder sind nicht schlecht. Sie sind sogar ziemlich gut, ihr alle seid ziemlich gut, aber aus irgendwelchen Gründen scheinst du ein besonderes Talent für Kampfsport zu haben.“
„Okay? Danke?“
„Ich würde dich gerne öfter trainieren. Nicht viel öfter, du bist schließlich noch keine 12 Jahre alt...“
„Aber fast!“
„Ja, aber ich würde dein Potential gerne weiter ausschöpfen. Bist du damit einverstanden?“
Sie musste nicht lange überlegen.
„Natürlich!“
„Gut, ich sage dir morgen deswegen Bescheid.“
„Dann bis morgen?“
„Bis morgen.“
Shego drehte sich um und wollte gerade gehen, als sie dann doch diese eine, entscheidende Frage stellen musste.
„Wieviel besser als meine Brüder bin ich?“
„Du könntest besser werden, als ich! Du müsstest nur deine Aggressionen besser in den Griff bekommen.“
„Wow.“
Vince grinste.
„Erzähl das aber nicht deinen Brüdern. Ich weiss nicht, wie Hego reagieren würde, vermutlich würde er sich für dich freuen, aber Megos Ego würde sicherlich sehr stark erschüttert werden. Warte mal, ich habe etwas für dich.“
Die 99jährige Shego kramte in einer Seitentasche an ihrem Rollstuhl herum.
„Er gab mir das hier.“
Sie gab Julian ein altes Foto in die Hand. Er lächelte und zeigte es Washington.
„Niedlich. Sind dass sie und ihre Brüder?“
„Nein, das sind die Verlierer beim Steven Spielberg-Doppelgängerwettbewerb. Natürlich sind wir das! Was für eine dumme Frage.“
„Warum seht ihr so komisch aus der Wäsche?“ fragte Washington.
„Das ist das Foto, dass Vince machte, als wir ihn zum ersten mal trafen. Nachdem er uns gezeigt hat, was er kann. Es sollte eine Erinnerung daran sein, dass man sein Gegenüber niemals unterschätzen soll. Er wollte verhindern, dass ich nach all dem Lob abhebe. Wirklich, er war ein toller Lehrer. Er hat uns übrigens nicht nur Kampfsport und das ganze Drumherum beigebracht, auch andere Dinge, die für uns im Superheldenalltag nützlich sein könnten. Manche mehr, manche weniger offensichtlich.“
„Schach. Das Spiel der Könige. 64 Felder, 16 schwarze, 16 weiße Figuren. Acht Bauern, jeweils zwei Türme, Springer und Läufer, sowie eine Dame und ein König. Könnt ihr Schach spielen?“
„Nein.“
„Nö.“
„Nein.“
„Dann bringe ich es euch bei. Es schult den Geist, fördert taktisches Denken, ist ziemlich entspannend und ausserdem kommt man sich den Menschen gegenüber, die nicht Schach spielen, gleich viel schlauer vor. Nicht, dass das etwas Gutes wäre, aber hey, manchmal braucht man so etwas.“
„Einmal in der Woche legte Vince mit uns einen Schachtag ein. An dem spielten wir natürlich nur Schach. Solange, bis uns der Kopf weh tat. Auch hier zeigten sich bald unterschiedliche Leistungen. Wir waren alle ziemlich gut darin, nur Hego überlegte zu lange, weil er seine Sache unbedingt perfekt machen wollte. Mego verlor viele Spiele dadurch, dass er lieber etwas unerwartetes tat, anstatt einfach zu gewinnen. Es war so, als wollte er seinem Gegner immer beweisen, was für ein toller Spieler er ist. Und ich...ich war perfekt. Keinerlei Fehler. Es ist ein- oder zweimal vorgekommen, dass ich schnell wütend wurde und das Schachbrett durch die Gegend geschleudert habe, wenn ich am verlieren war, aber wenn ich gewonnen habe, dann ohne Probleme. Das...ist aber nur selten vorgekommen. Dass ich angefangen habe zu schreien und so. Ausser Schach haben wir noch andere Dinge bei ihm gelernt.“
Vince und die Go-Geschwister standen in einer unbeobachteten Ecke des Hinterhofs um ein Auto herum.
„Könnt ihr Auto fahren?“ wollte Vince von ihnen wissen.
„Nein.“
„Nö.“
„Nein.“
„Dann bringe ich es euch bei. Hego, du bist der Älteste, setz dich hinters Lenkrad.“
Während Hego sich ans Steuer setzte, riefen Shego und Mego gleichzeitig: „Ich sitze vorne!“ und versuchten sich auf den Beifahrersitz zu drängeln.
„Hey, ihr sitzt gleich beide hinten“, rief Vince. „Das heisst, das tut ihr sowieso, weil ich als Fahrlehrer natürlich vorne sitze.“
„Och Mist“, sagten beide Geschwister gleichzeitig und setzten sich auf den Rücksitz.
„Der Schlüssel steckt nicht“, merkte Hego an.
„Ich weiss. Schließ es kurz. Ich zeige dir, wie es geht. Könnt ihr da hinten auch etwas sehen?“
„Shego hat mich gehauen!“
„Stimmt gar nicht!“
„Autos kurzschließen und fahren, war erst der Anfang.“
Während Shego, Hego, Mego und die Zwillinge auf einem alten Flughafen um etwas herumstanden, was eindeutig ein Jet war, fragte Hego: „Ist das ein Jet?“
„Ja. Und ihr werdet ihn fliegen. Nachdem ihr ihn kurzgeschlossen habt.“
„Wir sind natürlich nicht sofort geflogen. Erst gab es einige Trockenübungen. Dann gab er uns aber Flugstunden. Und ich bin beim Schachspielen nicht jedes Mal ausgerastet. Ich war doch kein Baby mehr.“
An einem weiteren Tag, führte Vince seine Schüler in die vielleicht hinterste und dunkelste Ecke des Kellers. Dort stand eine sehr große Maschine, der man eigentlich nicht ansehen konnte, welche Funktion sie hatte.
Vince fragte: „Wisst ihr, was das ist?“
„Nein.“
„Nö.“
„Nein.“
„Das ist etwas, dass ihr in eurem Leben als Superhelden mehr als einmal zu Gesicht bekommen werdet.“
„Ist das etwas eine Weltuntergangsmaschine?“ fragte Hego mit leuchtenden Augen.
„Ganz recht. Diese hier ist etwas veraltet, doch in den letzten 20 Jahren haben sich die Geräte, die wahnsinnige Superschurken so benutzen, um die Weltherrschaft an sich zu reissen, nicht viel verändert.“ Vince drückte einen riesigen Knopf auf dem Schaltpult der Maschine und sofort gingen dutzende von blinkenden Lichtern an. „Jetzt ist sie eingeschaltet und läuft sich warm. Man kann so ziemlich jedes Modell dieser Dinger auf mindestens drei Arten ausschalten. Das sind die sicheren Wege. Es gibt noch viel mehr, man muss nur kreativ sein und natürlich hängt das von der jewiligen Situation ab, doch ihr seid immer auf der sicheren Seite wenn ihr, erstens, nach einem riesigen Schalter oder Hebel mit der Aufschrift „Power“ sucht.“
„Ja, klar“, lachte Shego, „als ob man uns das so einfach machen würde.“
„Du würdest dich wundern, wie einfach man es euch manchmal macht. Die zweite Methode ist, nach einer Klappe unten oder an der Seite des Gerätes zu suchen, diese zu öffnen und wahllos alle Kabel herauszureissen.“
Eine kratzige Computerstimme ertönte: „Aufwärmphase abgeschlossen. T minus fünf Minuten.“
Mego hob seine Hand.
„Ja Mego?“
„Was passiert in fünf Minuten?“
„Wir werden alle draufgehen, wenn ihr nicht die dritte Methode findet. Viel Spaß beim ausprobieren.“
„Ich weiss nicht warum, aber bis jetzt hat es noch niemand geschafft, eine Weltuntergangsmaschine zu bauen, die man nicht auf diese drei Arten ausschalten konnte. Doch die Zeit verrann wie im Fluge und schon war wieder ein Jahr vergangen. Ein Jahr, in dem wir nichts anderes taten, als zur Schule zu gehen und zu lernen, wie man ein Superheld wird.“
„War das für die Menschen um euch herum nicht irgendwie verdächtig?“
„Hm, ja, vielleicht. Irgendwie schien es niemanden gestört zu haben. Wenn wir im Heim waren, verbrachten meine Brüder und ich die meiste Zeit ohnehin nur miteinander. Aber einmal hatten wir eine merkwürdige Begegnung mit Mr Pink.“
„Wohin gehen wir?“ fragte Mego.
„Sage ich euch, wenn wir da sind.“
Vince war mit den Geschwistern gerade auf dem Weg aus dem Waisenhaus raus, als ihnen Mr Pink über den Weg lief.
„Hey, euch sieht man ja kaum noch. Ich hatte schon Angst, dass ihr nur in meiner Einbildung existiert habt und ich langsam wieder anfange normal zu werden.“
„Ist schon in Ordnung“, sagte Vince, „sie helfen mir.“
Mr Pink reagierte gewohnt kühl.
„Sie helfen dir. Sie helfen dir oder sie helfen dir?“
„Sie helfen mir.“
„Okay, hätte ich nicht gedacht. Pass mir bloß auf sie auf und ihr fünf, von denen mich nur drei verstehen können, es aber vielleicht nur einer will, tut was er sagt, verstanden?“
„Verstanden“, sagten Shego, Hego und Mego in perfekter Harmonie.
Mr Pink ging weiter ohne sich umzudrehen. Mego tippte Vince auf die Schulter.
„Was war das denn?“
„Das war Mr Pink. Ich bin davon ausgegangen, ihr würdet ihn kennen.“
„Das meine ich doch nicht. Weiss er es?“
„Was soll er wissen?“
„Unsere...spezielle Ausbildung.“
„Woher soll ich das wissen?“
„Aber er hat so komische Andeutungen gemacht“, brachte sich Hego ein.
„Hat er?“
„Ja.“
„Wer weiss?“
„Wir haben nie herausbekommen ob und wieviel Mr Pink zu diesem Zeitpunkt wusste. Vince schwieg sich darüber aus und niemand wollte Mr Pink deswegen fragen. Aber wie schon gesagt, das Jahr verging wie im Flug. Vince hat uns innerhalb von 13 Monaten viel mehr beigebracht, als wir uns zu träumen gewagt hätten. Jeder von uns, aber besonders ich, war innerhalb dieser relativ kurzen Zeit zu einem echten Kampfsport-Ass geworden. Es war unglaublich. Vince war ein hervorragender Lehrer. Ich selber habe seine Methoden angewandt, wenn ich jemanden ausgebildet habe. Dann kam endlich der Abend, an dem wir unseren ersten offiziellen Einsatz als Superhelden hatten.“