Shego, Mego und Hego hüpften aufgeregt auf und ab.
„Hey, beruhigt euch wieder“, sagte Vince. „Bevor ihr nach draussen, in die feindliche Welt geht, gibt es einige Dinge, die ich noch loswerden möchte.“ Die Geschwister beruhigten sich langsam wieder – zumindest äusserlich. „Also, egal was passiert, denkt an euer Training. Euch kann so gut wie nichts passieren. Nein, eigentlich könntet ihr sterben, oder schwer verletzt werden, doch wenn ihr euch an euer Training erinnert und natürlich wenn ihr die gelernten Lektionen auch anwendet, sollte euch nichts schlimmes passieren. Denkt aber daran, dass euer Training noch nicht abgeschlossen ist! Eventuell werdet ihr in Situationen kommen, in denen ihr plötzlich merkt, dass sie eine Nummer zu groß für euch sind. Wenn so etwas passiert, rettet noch schnell, was zu retten ist, aber verschwindet bloß! Eure Zeit wird kommen. Und egal was passiert, ich bin stolz auf euch. Und wenn ihr euch jetzt umdreht, seht ihr hinter euch noch ein kleines Geschenk für jeden von euch.“
Die Geschwister drehten sich blitzschnell um, doch hinter ihnen waren keine Geschenke zu sehen. Als sie sich schwer enttäuscht und etwas verwirrt wieder umdrehten, lagen die versprochenen Geschenke aber plötzlich vor ihnen.
„Reingelegt“, sagte Vince lächelnd. „Jetzt macht schon auf, darin ist etwas, was ihr dringend braucht.“
Mit einer fast schon weihnachtlichen Freude rissen Shego, Hego und Mego das Papier von den Schachteln. Wie es aber an Weihnachten auch passieren kann, löst sich die Freude schnell in Luft auf, wenn sich im schön verpackten Karton nur Kleidung findet. So war es auch hier.
„Was ist das?“ fragte Mego.
„Das sind eure Superheldentrikots. Ihr braucht keine Superkräft um Superhelden zu sein, aber ein Kostüm solltet ihr mindestens haben.“
Shego hielt ihren Anzug mit ausgestreckten Armen vor sich und betrachtete ihn sich ganz genau.
„Interessantes Muster. Gefällt mir.“
„Seht nur“, rief Hego voller Freude, „die Kostüme haben die Farben von unseren Lichtern. Meins ist blau!“
„Ja, wir sehen es. Hast du die selbst gemacht, Vince?“ fragte Mego.
„Mitnichten. Ich kann vieles, aber ich bin kein Schneider. Die stammen von Atwood, einem Schneider hier in Go City, der sich auf Kostüme für Superhelden, leider aber auch für Schurken, auf der ganzen Welt spezialisiert habt.“
„So etwas gibt es?“
„Gehe durch die richtige Seitenstraße in Go City und du kannst so ziemlich alles finden. Probiert sie mal an.“
Die Geschwister ließen sich das nicht zweimal sagen und verschwanden in einem Umkleideraum.
Als sie wieder herauskamen und er seine Schüler zum ersten Mal in voller Montur sah seufzte Vince so stolz, als ob es sich um seine eigenen Kinder handeln würde.
„Ihr seid jetzt keine einfachen Waisenkinder mehr. Jetzt seid ihr Team Go.“
Die Mitglieder von Team Go sahen sich gegenseitig an.
„Team Go?“ fragten sie gleichzeitig.
„Ja, die Idee ist mir auf der Toilette gekommen. Ich meine, eure Namen enden alle auf „go“ und ihr beschützt Go City, also warum nicht Team Go?“
„Warum nicht die Super Gos?“
„Oder Mego & Co.?“
„Oder „Die kleine Schlaue, mit den zwei Idioten“?“
„Du bist ein Idiot.“
„Stimmt nicht.“
„Doch.“
„Nein.“
„Doch.“
„Hey, benehmt euch. Die Super Gos streiten sich nicht.“
„Wir sind aber nicht die Super Gos.“
Vince klatschte einmal in die Hände.
„Also, seid ihr bereit für eure ersten Heldentaten?“
Schlagartig waren alle kleinen, geschwisterlichen Streitigkeiten vergessen.
Hego fragte: „Was machen wir als erstes? Kümmern wir uns um diesen geheimnisvollen Vogelmenschen, der die Stadt terrorisiert?“
„Nein, der Vogel ist noch zu schwer für euch. Für den Anfang geht ihr einfach nur auf Streife.“
„Wenn man, so wie wir, wild darauf ist, echte Heldentaten zu begehen, ist „auf Streife gehen“ natürlich eine ziemlich ernüchternde Aufgabe. Durch die Straßen von Go City gehen, und hoffen, dass einem vielleicht ein Einbrecher über den Weg läuft, ist unter normalen Umständen ziemlich langweilig. Aber zu diesem Zeitpunkt war mein Leben ja schon lange nicht mehr normal.“
Es war Nacht in Go City.
Wie in so ziemlich jeder anderen Großstadt auf der Welt, lauert das Verbrechen in jeder Ecke.
Aber aus irgendwelchen Gründen hatte es in dieser Nacht nicht wirklich Lust dazu, aus irgendeiner Ecke herauszukommen.
Team Go hatte auf einer Dachterasse Stellung bezogen. Das Haus selber stand in einer ganz üblen Gegend, und die Straße, in der es sich befand, ging, fast schon symbolisch für dieses Viertel, sehr steil bergab.
Sie waren schon mehr als drei Stunden unterwegs, sind über dutzende von Häuserschluchten hinweg gesprungen, hatten keine Angst davor, sich in dunkle Seitengassen zu schleichen oder hinter der einen oder anderen verruchten Kneipe nach dem Rechten zu sehen, doch wirklich zu tun gab es für sie nichts.
Mego spuckte vom Dach hinunter und sah zu, wie der Tropfen in der Tiefe verschwand.
„Lass das, bitte“, sagte sein großer Bruder. „Das ist ekelhaft, unhygienisch und ich glaube auch illegal.“
„Okay, ich hör auf. Hey, so wie es aussieht, hast du damit zumindest ein Verbrechen vereitelt.“
Hego lächelte etwas. Shego balancierte auf dem Rand des Daches.
„Schwesterchen, komm da bitte runter. Das ist gefährlich.“
Sie murmelte nur: „Ja ja, ich komme schon“, und ging einfach weiter.
„Ich meine es ernst. Ich möchte nicht, dass du runter fällst.“
„Warum darf Mego das machen und ich nicht?“
„Wann hat Mego das...“ Hego warf einen Blick zur Seite und sah, wie Mego ebenfalls auf dem Rand des Daches balancierte. „Mego! Und Shego! Kommt jetzt runter da, alle beide!“
„Ja ja“, murmelten beide, sprangen zurück aufs Dach und setzten sich zu ihrem großen Bruder.
Nach einigen Sekunden sagte Shego: „Wir brauchen so ein Ding, mit dem man den Polizeifunk abhört.“
Ihre Brüder nickten stumm, aber zustimmend.
Einige Zeit später sagte Hego: „Sollen wir weiter machen?“
„Okay.“
„Warum nicht?“
Die drei Superhelden standen langsam wieder auf und wollten zum nächsten Dach springen, als ein Mann mit einem Gewehr die Tür vom Treppenhaus mit einem Tritt öffnete.
„Wer immer ihr seid, Hände hoch!“
Hego versuchte den Mann zu beschwichtigen.
„Kein Grund zur Sorge, wir sind...“
Ein Schuss, direkt vor Hegos Füße, unterbrach seine Ausführungen.
„Hände hoch! Ich sage es kein drittes mal und gebe keinen zweiten Warnschuss ab.“
Die Geschwister taten, wozu der Mann sie so freundlich aufgefordert hatte.
„Ich will diesen Mann nicht wirklich in Schutz nehmen, aber stellt euch drei merkwürdig kostümierte Gestalten vor, die mitten in der Nacht auf dem Dach eures Hauses stehen, das sich zufälligerweise in einer ganz üblen und abgeschiedenen Gegend befindet. Ihr würdet auch nervös werden. Und wenn manche Menschen nervös werden, greifen sie zur Waffe.“
„Ihr glaubt wohl, ihr könnt euch alles erlauben, oder?“
„Wenn es darum geht, dass ich vorhin vom Dach gespuckt habe, dann möchte ich mich aufrichtig entschuldigen.“
„Entschuldigung angenommen.“
Mit einem erleichterten Seufzen, senkten die Drei wieder ihre Hände.
„Ich habe nicht gesagt, dass ihr die Hände runternehmen könnt!“ rief der Mann und drohte mit seinem Gewehr.
Schon gingen sechs Hände wieder nach oben.
Hego fragte: „Was haben wir denn getan?“
„Noch nichts. Aber es geht mir darum, was ihr tun könntet!“
„Was könnten wir denn tun?“
„Alles! Aber nicht mit mir!“
„Sie brauchen sich wirklich nicht zu sorgen, wir sind Helden! Wir sind hier, um sie zu beschützen!“
„Erstens will ich nicht beschützt werden, zweitens glaube ich euch nicht. Es gibt keine Helden mehr.“
„Naja, dass sie mutig mit einer Waffe in der Hand ihr Haus beschützen, könnten einige Menschen als Heldentat auslegen.“
„Da hast du verdammt recht, Freundchen. Habt ihr eigentlich geglaubt, dass ihr in den Zirkuskostümen nicht auffallt?“
„Das wird mir jetzt zu dumm“, stöhnte Shego.
Sie sprang mit einem gewaltigen Satz auf den Mann zu und riss ihn zu Boden. Der Schuss, den der Mann abgab, ging nur in die Luft und verletzte niemanden.
„Dummerweise war es genau dieser Schuss, der die Ereignisse, für unsere erste Heldentat auslöste. Diesem einen, daneben gegangenen Schuss, folgten urplötzlich hunderte weitere. Die Gegend, in der wir uns befanden, war eines der übelsten Viertel von Go City. Eines von denen, in den man nach Einbruch der Dunkelheit das Haus nicht mehr verlassen sollte. In all der Zeit, in der es dort keine Superhelden gab und die Polizei sich nicht darum kümmerte, sind die wenigen Menschen, die dort noch wohnten, auf Nummer Sicher gegangen, haben sich Schusswaffen besorgt und lernten, mit nur einem geschlossenem Auge zu schlafen. Wenn dann ein Schuss fiel, so wie der Warnschuss, den der Mann vor die Füße meines Bruders abgab, wurden sie plötzlich hellwach und wenn dann ein zweiter Schuss fiel, waren sie der festen Überzeugung, dass, egal von wo der Schuss kam, ihr Leben in Gefahr sei und das Beste wäre, was man jetzt tun könnte, wie Rambo im Vollsuff sinnlos durch die Gegend zu ballern. In meinen Augen ist dieses Verhalten zu 60% witzig und zu 40% traurig.“
Im Bruchteil einer Sekunde brach die Hölle los. Fenster öffneten sich und für eine gute Minute herrschten in dieser Straße Zustände, wie im Wilden Westen. Nur mit automatischen Schusswaffen.
Während Shego den Mann auf dem Boden hielt, warfen sich ihre Brüder ebenfalls flach hin.
Die Schüsse verstummten. Hego hob langsam wieder seinen Kopf.
„War's das?“ fragte er.
Der Mann nickte.
„Kommt hier öfter vor“, sagte er, „aber für gewöhnlich kommt ein paar Sekunden später noch ein letzter Schuss von jemandem, der den Spaß verschlafen hatte oder so.“
„Hoffentlich wurde niemand verletzt oder getötet.“
„Nö, wohl nicht. Das wäre dann das erste Mal. Ich glaube ja nicht an Wunder, aber wenn ich es tun würde, könnte ich es als eines sehen, dass bei all den blinden Schießereien hier nie etwas passiert. Warum bin ich eigentlich so freundlich zu euch? Geh runter von mir, Kleine, und hilf mir gefälligst hoch!“
„So unwahrscheinlich es klingt, aber unsere Meisterschützen hatten noch nicht einmal Ohrensausen nach ihrer Aktion.“
Der von dem Mann angekündigte letzte Schuss erfolgte von irgendwo her.
„Ha, da ist er. Wie immer.“
Zusätzlich zum Schuss gab es eine mittlere Explosion.
„Oh, das ist neu.“
„Dieser eine Schuss traf in den Tank eines geparkten Autos, welches jetzt natürlich lichterloh in Flammen stand.“
Das Auto stand nicht sehr weit weg vom Haus, auf dessen Dach sich Team Go gerade befand.
Hego zeigte mit dem Finger darauf und rief: „Da ist es!“
„Schön, dass du es uns sagst“, brummelte Shego, „unter all dem Feuer hätten wir es gar nicht gesehen.“
Hego ignorierte die schnippische Antwort seiner Schwester.
„Wir müssen es löschen, bevor es sich ausweitet!“
Shego bemerkte einen Hydranten auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
Sie rief noch schnell: „Das übernehme ich!“, sprang über den Rand des Daches hinweg und rutschte die Regenrinne hinab.
Hego seufzte gerührt.
„Unsere kleine Schwester bei ihrer ersten Heldentat.“
„Ja, das ist schon irgendwie süß, aber wollen wir sie das wirklich alleine machen lassen?“
„Ich glaube, sie bekommt dass sehr gut alleine hin.“
„Daran besteht kein Zweifel, aber wenn wir nur hier rumstehen, während sie alles ohne uns erledigt, wird sie keine Gelegenheit auslassen, um uns damit aufzuziehen.“
„Ja, da ist was dran. Lass uns gehen.“
Shego war währenddessen am Hydranten angekommen. Mit einem gezielten Hieb riss sie ein Loch dort hinein und ließ den Wasserstrahl das Auto löschen. Alles schien jetzt in Ordnung.
War es aber nicht.
Gute 2 Meter neben dem brennenden Auto lehnte ein Fahrrad an einer Hauswand. Das war schon alleine deshalb erwähnenswert, weil es sich um ein echtes, hochwertiges Qualitätsprodukt handelte, welches eben nicht nur unbeaufsichtigt ein einer Gegend stand, die, wie bereits mehrfach erwähnt, keinen sehr guten Ruf hatte, sondern dazu auch noch mit einem minderwertigem Schloss gesichert war. Die Hitze des Feuers machte dem Fahrrad kaum etwas aus – es war nicht nur ein Mountain-Bike, sondern ein Volcano-Bike – aber das Schloss wurde erst fast bis zur Weissglut erhitzt und dann durch das Wasser blitzartig wieder abgekühlt. Ergebnis: Es zersprang in tausend kleine Stücke und jetzt, da es nichts mehr gab, was das Volcano-Bike hielt, rollte es fröhlich die Straße hinab.
„Sehe ich da ein Fahrrad?“ fragte Mego, als er und Hego bei Shego ankamen.
Sie antwortete: „Sieht so aus.“
„Wer fährt es?“
„Niemand.“
„Wo will es hin?
„Auf die Straße und dann weiter geradeaus.“
Hego lief dem Fahrrad hinterher.
„Ich halte es lieber auf, bevor es noch irgendwelchen Schaden anrichtet. Übrigens, gute Arbeit, Schwesterchen!“
„Danke!“ rief sie Hego hinterher und wandte sich zu Mego. „Mehr als ein paar Beulen oder vielleicht etwas zersplittertes Glas kann ein führerloses Fahrrad doch wohl nicht anrichten, oder?“
„Wie falsch ich doch lag.“
Das Fahrrad hatte aufgrund des starken Straßengefälles mittlerweile schon richtig viel Tempo drauf, als plötzlich ein, mit Milch beladener, Tanklaster um die Ecke bog und frontal mit dem Drahtesel zusammenstieß.
Der Fahrer des Lastwagens, ein Mann, der seinen Job so ernst nahm, dass er über 24 Stunden keine Pause mehr machte, wurde dabei nicht verletzt. Er erschrak dabei aber fast zu Tode - schon alleine weil er unter diversen, verschreibungspflichtigen Aufputschmitteln stand, die seine Wahrnehmung verdoppelten - und rannte laut schreiend in die Nacht davon.
Den Lastwagen ließ er alleine und im Leerlauf stehen.
Naja. Er stand nicht lange, sondern rollte jetzt rückwärts die Straße hinab.
Hego stand fassungslos vor dem, sich immer schneller entfernenden, Lastwagen. Er warf einen verzweifelten Blick über seine Schulter, welcher von seinen Geschwistern nicht unbemerkt blieb.
„Ich glaube, Shego, wir sollten ihm jetzt helfen.“
„Ja, das glaube ich auch.“
Als sie Hego erreichten, hatte er sich schon am Kühlergrill festgekrallt und versucht, den Lastwagen festzuhalten.
„Ich würde ihn nicht da festhalten“, sagte Shego.
„Und warum nicht?“
Mit einem Ruck löste sich der Kühlergrill und Hego fiel hart auf seinen Hintern, während der Lastwagen immer schneller wurde.
„Ich werde jetzt nicht „darum“ sagen, wenn es dich beruhigt.“
„Danke. Hoffentlich bekommt Mego das besser hin.“
Mego rannte so schnell, wie er konnte, sprang auf den fahrenden Lastwagen auf und kletterte durch die zerbrochene Windschutzscheibe hinein.
„Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass Mego auch mutig sein konnte.“
Mego wurde, als er im Führerhaus des Lasters saß, eines klar: „Vince hat uns nie gezeigt, wie man so einen Lastwagen bedient.“
Er tat das Offensichtlichste und betätigte die Bremse.
„Mächtig großer Fehler! Was er nämlich nicht wusste, war, dass man an einem Tanklaster nicht einfach so die Bremse betätigen darf.“
Begleitet von einem dahingeflüsterten „Oh oh“, stellte sich der hintere Teil des Lasters quer. Als das ganze Vehikel auch noch umkippte, bleib Mego nichts anderes übrig, als sich mit einem Sprung zu retten.
Dass Umkippen des Lastwagens, verbesserte die Situation in keinster Weise. Er hatte schon soviel Schwung drauf, dass er jetzt mit lautem Getöse einfach weiterschlitterte.
Mego kratze sich am Kopf und sagte zu seinen Geschwistern, als sie bei ihm ankamen: „Wir sollten es positiv sehen. Die Straße ist leer und Milch kann nicht explodieren. Kann sie doch, nicht, oder?“
„Nein, aber das wird die Menschen, die in dem Haus am Ende der Straße wohnen, nicht davon abhalten, trotzdem zu sterben.“
„Ich habe eine Idee, wie ich das verhindern kann.“
Und wieder lief Hego hinter dem Lastwagen her. Er hatte zwar an Tempo verloren und würde früher oder später anhalten, aber es war deutlich zu sehen, dass er vorher das erwähnte Haus, am Ende der Straße treffen würde.
Die Bewohner dieses Hauses waren mittlerweile hellwach, aber sie konnten nirgendwo hin. Der quer rutschende Lastwagen blockierte ihnen den einzigen Fluchtweg.
Als Hego den Truck erreichte, brachte er seine Beine zum leuchten. Dies gab ihm die Kraft um weit über das Hindernis hinweg zu springen. Noch im Flug ließ er seine Hände leuchten und schlug bei der Landung ein tiefes Loch in die Straße, welches er auch sofort in einen Graben ausweitete.
In allerletzter Sekunde sprang Hego wieder aus dem Graben hinaus und der Lastwagen fiel mit einem lauten Krachen und jeder Menge Staub dort hinein.
Es dauerte einige Zeit, bis sich die Staubwolke gelegt hatte und es dauerte noch mal etwas, bis alle Anwesenden, Shego und Mego eingeschlossen, realisierten, dass Hego gerade alle gerettet hatte.
Mego klopfte seinem Bruder auf die Schulter.
„Das...war fabelhaft! Unglaublich!“
„Ja“, gratulierte ihm Shego, „gar nicht übel.“
Langsam fingen die umstehenden Schaulustigen und Beinahe-Opfer an, zu jubeln und zu applaudieren.
„Wir verschwanden dann so schnell und geheimnisvoll wie möglich. Als Superheld muss man ja ein gewisses Mysterium um seine Person aufbauen.“
Die Geschwister schlichen sich lautlos wieder ins Waisenhaus. Als sie im Keller angekommen waren, konnten sie sich aber nicht mehr beherrschen und lachten und jubelten, so laut sie nur konnten. Es war jetzt egal. In den düsteren Heizungskeller-Katakomben konnte sie niemand hören.
„Vince!“ riefen sie. „Vince! Rate mal, was passiert ist!“
„Ich habe davon gehört. Habt ihr gut gemacht“, sagte Vince, als er unter einem Haufen Dreijähriger hervorkam. „Doch wisst ihr was? Ich habe herausgefunden, welche besonderen Fähigkeiten die Zwillinge haben.“